Kim Petras – Detour
Die neue Kim-Petras-LP „Detour“ fühlt sich wie eine Wiedergeburt der Kölner Pop-Diva an. Nachdem sie vor drei Jahren ihren ersten Grammy für die Sam-Smith-Kollabo „Unholy“ gewann, brachte sie bereits weitere Projekte heraus – und dennoch kommt ihr neuestes Werk fresh wie ein Debüt daher.
Aktuell herrscht eine bemerkenswert große Nachfrage an Musik, die dem Bloghouse-Revival zugeordnet werden kann. Einer Kultur, deren Ursprung zwar im Internet liegt, die jedoch durch ihre tanzbaren Beats und Einflüsse aus Electro-House und Hyperpop perfekt für den Club geeignet ist.
Deswegen sei vorab gesagt, dass ich dieses Album nicht in seinem ganzen Ausmaß – nämlich auf dem Dancefloor – erlebt habe, sondern vorerst eben nur auf Kopfhörern. Nichtsdestotrotz steht der Longplayer auch so schon weit oben auf der Liste meiner Lieblingsplatten des Jahres.
Von der Pop-Diva zum Indie-Pop
Als neue Produzenten holte sich Petras dafür weder berühmte Branchengrößen noch populäre Songwriting-Teams an Bord, sondern das Geschwisterduo Angel und Lulu Prost, in der Electronic-Music-Community besser bekannt als Frost Children. Und ging damit bei „Detour“ bewusst zurück zum Indie-Künstlertum.
Ebenso mit ihrem Anfang des Jahres vollgezogenen Schritt, sich von ihrer bisherigen Plattenfirma zu trennen und ihr neues Album auf dem ihr gehörenden Indie-Label Bunhead Records zu releasen, um fortan dem eigenen Bekunden nach die „Kontrolle über das eigene Leben und die Karriere“ zurückzugewinnen.
An meinem letztjährigen Geburtstag kam die Frost-Children-LP „Sister“ heraus. Darauf war auch der Track „Radio“ mit Kim Petras. Parallel dazu wurden auch schon die ersten Singles für „Detour“ veröffentlicht. Diese Songs überzeugten mich und lösten in mir den Impuls aus, mich intensiv mit Petras Musik und dem neuen Longplayer zu beschäftigen – was ich Euch ebenfalls ans Herz lege.
Bass und Brutalismus
Denn die mittlerweile in Los Angeles beheimatete Musikerin macht keine stumpfen Dancefloor-Tracks, sondern holt auch lyrisch weit aus, etwa indem sie ihre Kindheit reflektiert: „When he would drive me to the psychiatry, again and again, didn’t come back a man I guess I ruined it“, singt die Transfrau in „Brutalist“, das die brutalistische Architektur als Allegorie für Transidentität dahernimmt und sie mit Anekdoten der eigenen Adoleszenz paart.
Als einen Vergleich dazu, wie Transpersonen gesellschaftlich sozusagen als unkonventionell wahrgenommen werden und sich unsere Gesellschaft stattdessen lieber etwas Konventionelleres wünschen würde. Das sinnbildliche brutalistische Gebäude samt seines Charakters wird dabei abgerissen und an seiner Stelle dann ein poliertes, gentrifiziertes Apartment dafür erbaut. Die digitalen Bässe und pulsierenden Kicks von Frost Children verleihen der Produktion dabei den benötigten Punch, wobei die geschickte Soundauswahl der genutzten Samples ebenfalls eine große Rolle spielt
„Basketball“ ist der tragisch früh verstorbenen Künstlerin Sophie gewidmet, die als Königin des Hyperpops bekannt ist. Der Beat ist ein alter, fast verlorengegangener Track, den Sophie ihrerseits als „Laker 163“ betitelte. „Detour“ hält noch viele weitere großartige Songs vor, über die ich an dieser Stelle schreiben könnte, wie etwa die Dance-Hymnen „Need for Speed“ und „Freak It“ sowie meinen persönlichen Fav „I Like Ur Look“. Aber wisst Ihr was: Überzeugt Euch doch einfach selbst von der Platte.

Cover Artwork insta: @kimpetras
Artist: Kim Petras
Album: Detour
VÖ: 29.05.2026
Label: Bunhead Records
