Death Cab For Cutie – I Built You A Tower
Amerikas Alt-Rocker Death Cab For Cutie releasen mit „I Built You A Tower“ ihre elfte Studio-LP. Produziert von John Congleton, gelingt der Band mit der Platte Label-mäßig (ANTI-) wie musikalisch eine bemerkenswerte Rückkehr zu ihren Indie-Wurzeln, mit denen ihre Reise 1997 in Bellingham (WA) begann.
Aufgenommen in lediglich drei Wochen, entstand der Longplayer im Animal-Rites-Studio sowie in den Häusern der Bandmitglieder Nicholas Harmer (Bass), der beiden Multi-Instrumentalisten Dave Depper und Zac Rae sowie Jason McGerr (Drums) in Bellingham, Los Angeles, Seattle und Portland. Zentraler Dreh- und Angelpunkt des Quintetts ist bei alldem Sänger, Gitarrist und Songwriter Benjamin Gibbard, der kürzlich erst Jubiläumstourneen sowohl mit den Cuties als auch mit der Indie-Supergroup The Postal Service absolviert hat.

Band-Pic by Shervin Lainez
„Früheste Band-Versionen“
„Nach den Jubiläumstourneen [zu den von Fans und Kritikern gefeierten Werken ‚Transatlanticism‘ (aus 2003) und ‚Plans‘ (2005); Anmerkung des Autors)] fühlten wir uns als Teil einer gewaltigen Kraft und gingen mit dem Gefühl ins Studio: Wie können wir diese einfangen und in etwas Neues überführen“, sagt Dave Depper. Nick Harmer fügt hinzu: „Diese Erfahrung brachte uns zurück zu den frühesten Versionen der Band. Und wenn wir als Musiker mögen, woran wir arbeiten, reicht das völlig aus. Wir haben uns wieder mit dem Selbstvertrauen verbunden, das damit einhergeht.“
Neben einer Handvoll ihrer erwartungsgemäß wunderbaren, nachdenklichen Indiepop-Perlen, die mitten ins Herz treffen wie „Pep Talk“, „Stone Over Water“ und „The Flavor Of Metal“ überzeugen Death Cab For Cutie auf ihrer neuen LP mit dem für sie eher ungewöhnlich aggressiven „Punching The Flowers“ und einem wuchtigen „How Heavenly A State“. Hervorstechen außerdem die beiden ins Ohr und in die Beine gehenden Groover „Trap Door“ sowie „Riptides“ – Letzterer hatte das Album vorab als Single-Auskopplung angekündigt.
Verlust und Verdrängen
Die Platte erzählt dabei von Verlust, Trauer und Verdrängen. Aber eben auch vom Wiederaufstehen und Wachsen nach dem Zusammenbruch. Jede Nacht stand Frontmann Gibbard für Death Cab For Cutie und The Postal Service tapfer auf der Konzertbühne – während parallel sein privates Leben ins Wanken geriet.
Deshalb darf der neue Longplayer nebst Titel wohl auch als Weg verstanden werden, sich selbst zu beschützen. „Es gibt dieses Verlangen, einen Ort in uns zu finden, an den wir Verlust und Trauer ablegen können“, so der Death-Cab-Sänger. „Ein Ort, der all das aushält, damit wir mit unserem Leben dennoch weitermachen können.“

Die Cuties by Ryan Russell
Unmittelbare Ästhetik
„I Built You A Tower“ versprüht eine angenehm reduzierte, unmittelbare Ästhetik und das Gros der Tracks pulsierende Post-Punk-Vibes. Auch mit ihnen unterstreichen die Cuties, dass sie nach rund dreißig Band-Jahren offenbar noch nicht dazu gewillt sind, sich gänzlich in den Revival-Zirkus zu stürzen.
„Wir hatten keine Angst vor einem zutiefst menschlichen Sound samt einer gewissen Unordnung“, betont Ben Gibbard. „Das Album ist kein retuschiertes Foto. So sehen wir aus. So klingen wir.“ In der Tat – und zwar bemerkenswert gut, wie ich meine. Übrigens: Am allerersten Oktobertag kommen die US-amerikanischen Indie-Darlings für eine einzige Show zu uns nach Berlin. Fahrt unbedingt hin, wenn Ihr könnt!

Band: Death Cab For Cutie
Album: I Built You A Tower
VÖ: 05.06.2026
Label: ANTI- / Epitaph-Records
