ZAZ – Kunst!Rasen, Bonn (15.07.2026)

Drei ZAZ-Konzerte innerhalb eines guten halben Jahres für uns – und von Abnutzungserscheinung keine Spur. Nach Lille und Köln gelingt es der Französin auch auf dem Bonner Kunst!Rasen, ihrer bis ins Detail durchchoreografierten Show eine mitreißende Unmittelbarkeit zu verleihen.

Nach der fast märchenhaften Atmosphäre im Théâtre Sébastopol in Lille (-> Hier geht’s zum Livebericht) und dem nahbareren Auftritt im Kölner Palladium (-> Hier geht’s zum Livebericht) nun also der Schritt unter freien Himmel. Dass sich damit aber auch an Ablauf, Dramaturgie oder Setlist etwas ändern würde, war nicht zu erwarten. Wer Konzerte der aktuellen „Sains Et Saufs“-Tour gesehen hat, kennt ihre dramaturgischen Bögen ebenso wie viele der kleinen Inszenierungen zwischen den Liedern. Es stellte sich vielmehr die Frage, ob die Show beim dritten Mal noch immer dieselbe Strahlkraft entfalten kann.

Stage entry mit GoPro: ZAZ auf dem Weg zur Bühne.

Noch bevor ZAZ selbst die Bühne betritt, erscheint sie, wie schon in Lille und Köln, via GoPro-Selfie auf dem Backdrop. Leise, beinahe flüsternd spricht sie – zu sich selbst und zum Publikum. Es geht um den Augenblick. Um Präsenz. Darum, mit ganzem Herzen da zu sein. „Bist du da, Bonn?“, fragt sie, und legt damit den Grundstein für das zentrale Motiv des Abends: Verbundenheit.

Als anschließend die ersten Takte von „Je Pardonne“ erklingen – einem Song, den ich aufgrund seiner unverhohlenen Lionel-Richie-Anleihen eigentlich kritisch sehe –, ist von solch analytischer Distanz schlagartig nichts mehr übrig. Stattdessen: der erste Kloß im Hals. Diese unverwechselbare Stimme. Diese wunderschöne Sprache. Und vor allem diese enorme Bühnenpräsenz einer Künstlerin, die scheinbar mühelos Tausende gleichzeitig erreicht und doch für jeden Einzelnen zu singen scheint.

ZAZ und Band füllen auch große Bühnen.

ZAZ stellt den Abend erneut ganz in den Dienst ihres aktuellen Albums „Sains Et Saufs“, das in ihrer Diskografie hörbar einen Wendepunkt markiert. Die Leichtigkeit früherer Jahre blitzt immer wieder auf, doch insgesamt dominieren nachdenklichere Töne. Verlust, Versöhnung, Selbstzweifel und Neuanfänge ziehen sich durch die neuen Songs. Und tatsächlich nehme ich diesen Tiefgang unter freiem Himmel stärker wahr, als zuvor. ZAZ wirkt im Mittelteil der Show ernst, regelrecht zornig, dann wieder zu Tränen gerührt. Wo die älteren Hits vor allem Lebensfreude transportieren, erzählt das neue Material von einem Menschen, der gereift ist – musikalisch wie persönlich. Aber natürlich fehlen auch die Klassiker nicht und so verwandeln spätestens „Si jamais j’oublie“, „On ira“ und „Je veux“ den Kunst!Rasen in einen großen Chor.

Le mans sur le cœur.

Auffallend ist – jetzt, beim dritten Besuch –, wie perfekt diese Produktion durchstrukturiert ist. Jede Lichtstimmung sitzt, jede Bewegung scheint einstudiert, jede Überleitung ist exakt geplant. Und doch entsteht zu keinem Zeitpunkt der Eindruck bloßer Perfektion um ihrer selbst willen. Die minutiöse Vorbereitung schafft vielmehr den Raum für jene Momente, in denen alles vollkommen spontan sein darf. Wenn ZAZ lachend über die Bühne tanzt, das Publikum zum Mitsingen animiert („Lauter! Lauter!“) oder gar ein Bad in der Menge nimmt („Sains Et Saufs“ trägt sie gefolgt von einer GoPro im Laufschritt durch den vorderen Zuschauerbereich vor) – dann sprüht sie schier vor ehrlicher Freude am gemeinsamen Erleben. 

Ein Bad in der Menge.

Dazu trägt auch ihre fantastische Band bei. Mal federleicht zwischen Chanson, Folk und Jazz changierend, mal mit überraschend rockiger Wucht, begleiten die Musiker jede emotionale Wendung der Songs mit beeindruckender Selbstverständlichkeit. Das Zusammenspiel wirkt blind, organisch und von einer großen gegenseitigen Wertschätzung getragen.

Umjubelter Abschied: ZAZ und der Bonner Kunst!Rasen feiern sich gegenseitig.

Am Ende bleibt uns einmal mehr die Erkenntnis, dass Glaubwürdigkeit nichts mit Spontaneität zu tun haben muss. Ich habe wenige Show besucht, die so präzise durchkomponiert waren und gleichzeitig so ehrlich, nahbar und emotional wirkten. Und das ist einzig das Verdienst einer außergewöhnlichen Künstlerin, die ihre Lieder nicht nur singt, sondern lebt.