The Jeremy Days Acoustic Group – Nordhorn, Capitol (03.10.2026)

Die wahren Pioniere des Britpop und Mit-Wegbereiter der ikonischen Hamburger Schule The Jeremy Days feiern als Acoustic-Group-Trio den Kick-Off ihrer Herbst-Konzertserie im Capitol-Theater der liebenswürdigen niedersächsischen Rock-City Nordhorn vor rund 150 begeisterten Fans.

Der ehemalige, wunderbar plüschige Kinosaal im beschaulichen Örtchen direkt an der Grenze zu den Niederlanden wird seit drei Jahren von einem gemeinnützigen Verein geführt, mit dem selbsterklärten Ziel „Kunst und Kultur durch den Betrieb einer Klein-Kunstbühne zu fördern“. Was ja per se großartig ist.

Dunkle Engel entern die Stage
Und dieser entzückende Spot samt intimem Setting ist schlichtweg wie gemacht für die Unplugged-Band-Version der Jeremy Days um Dirk Darmstaedter (Gesang und Akustikgitarre), Leadgitarrist Jörn Heilbut und Stefan Rager an Drums/Percussions.

Im Gepäck haben die hanseatischen Indie-Veteranen sowohl live on Stage als auch auf Vinyl am Merchstand ihr hörenswertes „EP#1“-Mini-LP-Debüt als Akustik-Kombo (hier geht’s zu meiner Besprechung). Auf der Platte und heute im Capitol sind die tollen Stripped-Down-Kaminversionen von „My House“, „Loved“, „The Deep Dark Night“, „What The Wind’s Blowin‘ Round“ und „Clouds Of Maine“ zu hören.

Federnde Jugendlichkeit
Letzteres Lied sorgt am heutigen Abend mit weiteren zum Teil überraschend (auch weil lange nicht performten) auf der Setlist stehenden Tracks wie „Mr. Judge“, „The Sleeping Room“ oder „Chasing My Crooked Shadow“ dafür, dass neben schier engelsgleichen Songperlen und Fan-Favoriten wie „Brand New Toy“, „For The Lovers“ und „Rome Wasn’t Built In A Day“ auch ein paar dunklere musikalische Engel Einlass ins Set erhalten. Was den künstlerischen Kampf auf der Bühne für mein Empfinden ein Stück weit gerechter gestaltet und dem Auftritt des Jeremy-Days-Trios darüber hinaus außerordentlich gut zu Gesicht steht.

Bei alldem haben Dirk Darmstaedters Gesang und Charme über die Jahre nichts an federnder Jugendlichkeit eingebüßt, der virtuose Guitar Hero Jörn Heilbut an selbiger sowie an der Mandoline ist handwerklich sowieso über jeden Zweifel erhaben und Taktgeber Stefan Rager am Schlagzeug bringt den prächtigen kleinen Konzertsaal allein schon durch seine stets positive Aura zum Leuchten.

Fresh & deep
Der Klang und Vibe der J’Days-Lieder kommt fresh daher und weist eine für Acoustic-Bands erstaunliche Dynamik und Tiefe auf. Ihr zweieinhalbstündiges, stimmiges Set beenden die sympathischen Hanseaten mit dem fulminanten „That’s What I Call Love“ (gewidmet ihrem treuen Merchmann Olli), „Give It Name“ und einer recht spontanen Performance meines Jeremy-Days-Favs „Raintree Country“ – zum Heulen schön.

Wer von Euch Lust hat, die Hamburger Indie-Darlings auf ihrer bezaubernden Mini-Tour durch kleine Clubs zu supporten: Schon Mitte der Woche spielen die J’Days in der Kulturfabrik Krefeld und tags darauf im Pott in Oberhausen, bevor es unter anderem noch nach Schwerin sowie zurück in ihre Heimatstadt geht. Für das kommende Jahr sind zudem Konzerte als Full-Band-Formation geplant.

Concert Images by Sven Klein