Teenage Fanclub – Do Not Dare To Dream

In den 1990er-Jahren waren Teenage Fanclub für einige Jahre die Speerspitze einer alternativen Power-Pop-Szene. Das ist lange her. Ihr feines Händchen für Melodien haben sich die Schotten aber auch 30 Jahre später bewahrt.

Allerdings, so ehrlich muss man sein, ist von der frühen Leichtigkeit nicht mehr viel geblieben. Gerade die beiden Alben „Thirteen“ (1993) und „Grand Prix“ (1995) waren gespickt mit großen, zeitlosen Hits. Dass der Band der ganz große Erfolg verwehrt blieb, bleibt für mich ebenso tragisch wie unverständlich. Allein „Mellow Doubt“ und „Sparky’s Dream“ gehören zu den besten Songs, die in den 1990er-Jahren in Großbritannien veröffentlicht wurden. Großartig auch die Kooperation mit De La Soul für den genrebegründenden Soundtrack zum eher schwachen Film „Judgment Night“ (1993).

Mit Beginn des neuen Jahrtausends wurde die Musik von Teenage Fanclub immer mehr zu einer Art beatlesker WDR-4-Musik, die immer noch handwerklich perfekt, aber eben auch extrem unaufgeregt war – mit Ausnahme der 2010er-Single „Baby Lee“, die noch mal zeigte, was für begnadete Songwriter in dieser Band schlummern.

Nun erscheint mit „Do Not Dare To Dream“ das 13. Studioalbum der Band. Die charakteristischen Sounds aus melancholischen Gitarren und tollen Harmoniegesängen sind sofort erkennbar. Gekonnt ist gekonnt, mag die geneigte Hörerschaft denken. Denn seit fast 40 Jahren bilden Norman Blake und Raymond McGinley das Herz von Teenage Fanclub. McGinley beschreibt die Grundstimmung des Albums dann auch so: „Wir können immer noch fröhlich und optimistisch sein, selbst wenn die Dinge nicht besonders gut laufen.“

Diese Fröhlichkeit kann man vor allem beim Titeltrack heraushören, einem ganz wundervollen Song, den man auf dem Weg zur Arbeit motiviert vor sich hin pfeifen kann, so einnehmend ist er. Apropos Pfeifen: Das von einer Flöte (?) getragene „Take Time“ ist ebenso catchy und unterstreicht die Aussage McGinleys.

Aufgenommen wurde „Do Not Dare To Dream“ im Black Bay Studio auf der abgelegenen schottischen Insel Great Bernera. Eine entlegene Aufnahmelocation, die – laut Eigenaussage – der Band half, sich voll auf ihre Arbeit zu konzentrieren, während die raue Küstenlandschaft, die tosende See und die alten Ruinen der Insel zugleich eine gewisse Ehrfurcht hervorriefen. Gemeinsam mit den langjährigen Mitgliedern Euros Childs, Francis Macdonald und David McGowan bilden Blake und McGinley ein eingespieltes Quintett. Die Musiker sind so eingespielt, dass Blake und McGinley ihre Stücke nicht mehr bis ins Detail ausarbeiten, bevor sie ins Studio gehen. Stattdessen warten sie bewusst auf die Ideen der übrigen Musiker.

Diese entspannte, nicht von Befindlichkeiten beeinflusste Herangehensweise dürfte einen Großteil dazu beigetragen haben, dass dieses Album so klingt, wie es klingt: entspannt und wundervoll. Dass dabei die Höhepunkte ein bisschen fehlen – geschenkt. „Do Not Dare To Dream“ ist ein richtig gutes Spätwerk einer Band, die sich meiner Meinung nach eh nichts mehr beweisen muss.


Band: Teenage Fanclub
Album: Do Not Dare To Dream
VÖ: 09.10.2026
Label: Merge Records