Fury In The Slaughterhouse – Changes

Fury In The Slaughterhouse veröffentlichen mit „Changes“ ihr drittes Album seit ihrer 2021er-Reunion. Dabei schauen sie über den Tellerrand, bedienen Altbekanntes und wirken dabei erstaunlich entspannt.

Mal ehrlich: Was soll eine Band, die seit fast 40 Jahren gemeinsam Musik macht, mehr als eine Million Alben verkauft hat und durch die USA tourte, heute noch schocken? Es geht längst nicht mehr darum, sich etwas zu beweisen, sondern darum, die Freude am gemeinsamen Musizieren zu bewahren. Und genau das scheint Fury In The Slaughterhouse mit „Changes“ gelungen zu sein.

„Mit Fury war es ja damals immer so“, erklärt Kai Wingenfelder, „dass wir uns auf Tour sehr gut vertragen haben, aber im Studio knallte es dann immer. Diesmal haben wir zum ersten Mal alle Songs zusammen im Studio erarbeitet.“ Einen nicht unerheblichen Anteil daran dürfte Produzent Vincent Sorg (Die Toten Hosen, Donots) haben. Er hat dem Album nicht nur einen druckvollen, modernen Sound verliehen – die Platte klingt hervorragend –, sondern offenbar auch für eine entspanntere Arbeitsatmosphäre gesorgt.

Dass die Band dabei hörbar Spaß hatte, zeigt sich etwa beim für Fury-Verhältnisse erstaunlich treibenden „Youth Is Wasted On The Young“, einem Song, dem man fast schon eine Punk-Attitüde attestieren könnte. Apropos Punk: Wenn Kai Wingenfelder „Viva La Revolución“ singt, wirkt das zunächst irritierend. Dabei hat die Band schon lange ein sehr stabiles politisches Gewissen. Der Song feiert die linke, alternative Kulturszene, in der Fury in den 1990er-Jahren groß geworden sind. Nicht umsonst befindet sich ihr Proberaum seit Jahren im Café Glocksee – einem jener traditionsreichen Kulturorte, die sich immer wieder neu erfinden und gegen die man am rechten politischen Rand so gerne polemisiert. „Wir kommen aus dieser Ecke, wir kommen aus der Glocksee, wir haben diesen politischen Background. Schon immer“, bestätigt Wingenfelder.

Natürlich gibt es auch diesmal wieder die balladesken Fury-Songs, die die Band gern in die etwas belächelte WDR-4-Ecke rücken. Aber geschenkt. Selbst das eher ruhige „When We Were Young“ lebt von jener warmen Fury-Melancholie und einer spürbaren Wehmut, die ich in meinem Alter durchaus nachvollziehen kann. Und wenn danach fast schon folkig durch „Years Of Thunder“ geschunkelt wird, zeigt sich einmal mehr, was Fury In The Slaughterhouse seit Jahrzehnten auszeichnet: Sie schreiben eingängige, vielseitige Songs, ohne den Anspruch zu haben, ihre Hörer*innen belehren zu müssen. Stattdessen wollen sie unterhalten – und genau das gelingt den Hannoveranern noch immer besser als den meisten anderen deutschen Rockbands.


Band: Fury In The Slaughterhouse
Album: Changes
VÖ:26.06.2026
Label: Starwatch Entertainment