Free Throw, Saturdays At Your Place & Pool Kids – Köln, Gebäude 9 (29.06.2026)

Emo-Revival-Nacht für die Ewigkeit: Pool Kids und Saturdays At Your Place eröffnen für Free Throw auf der ersten Europa-Show der „Moments Before The Wind“-Tour.

Als ich Nashvilles Free Throw im Oktober letzten Jahres live in Hamburg sah, fragte ich Sänger Cory Castro nach dem Auftritt, warum kein Konzert in Köln geplant war – und er versprach mir, dass er und seine Band alles geben würden, um wieder hierher zu kommen, da Köln ihre Lieblingsstadt und wie ein zweites Zuhause sei. Und jetzt zur Tournee des neuen Albums sind sie tatsächlich zurück und bringen noch zwei sehr heiße Bands aus dem neuen Emo-Kosmos mit.


Pool Kids

Opener mit Main-Act-Potenzial
Die im Jahr 2018 debütierten Pool Kids aus dem US-amerikanischen Tallahassee eröffnen um 20 Uhr die Show im Köln-Mülheimer Gebäude 9 und heizen der Crowd schon mal ordentlich ein. Ich bemerke sofort, dass einige um mich herum sehr textsicher und Pool Kids nicht einfach ein Opener sind, sondern für manche Fans der eigentliche Grund, heute Abend überhaupt hierhin zu kommen. Auch wenn es ein paar technische Schwierigkeiten gibt und der Gesang der Bassistin Nicolette Alvarez nicht mal ansatzweise zu hören ist, lassen sich Sängerin/Gitarristin Christine Goodwyne und Co. nichts anmerken und spielen ihr halbstündiges Set mit wallender Energie.


Saturdays At Your Place

Emos neue Lieblingsband
Um 20 Uhr 45 kommen Saturdays At Your Place auf die Bühne. Die Jungs aus Kalamazoo haben vor knapp einem halben Jahr im Helios37 der Domstadt gespielt (hier geht’s zu Lasses Konzertbericht) und trotzdem scheint ein Großteil des Publikums einfach nicht genug von ihnen zu bekommen. Und ich, der letztes Jahr nur mal sporadisch in den Bandkatalog reingehört hatte, verstehe den Hype plötzlich, als der erste Song losgeht.

Leider ist auch hier das Mikrofon – diesmal sogar beim Hauptsänger Esden Stafne – viel zu leise und wird erst nach mehreren Liedern ein wenig lauter gestellt. Zum Glück braucht es den Sänger jedoch kaum, da die Menge die ganzen Songs eh mitsingt. In der Mitte des Sets berichtet uns Stafne, dass Free Throw die erste Band war, die Saturdays At Your Place auf Tour mitgenommen haben und sie in der Zeit enge Freunde wurden. Ein sehr liebevolle Dynamik, die spürbar ist.


Free Throw

Kühle Luft und heiße Performance
Nach fünfundvierzig Minuten voller Pogo, Crowdsurfing und Schweiß – im Vergleich zu letzter Woche ist es allerdings gefühlt fast schon angenehm kühl – werden endlich die Seitentüren der Venue zum Lüften geöffnet, bevor zwanzig Minuten später um 21 Uhr 50 Free Throw vorne stehen. Die Türen bleiben übrigens während des gesamten restlichen Abends offen und locken noch einige Zuschauende von draußen an.

Das Set beginnt mit dem Intro des Ende März erschienenen „Moments Before The Wind“, und obwohl das Album gerade mal drei Monate alt ist, sind auch hier die gut 400 Fans im Gebäude 9 textsicher bei jedem Wort. Zwar ließe sich Free Throw durchaus unterstellen, dass sich ihr Sound in den letzten Jahren kaum weiterentwickelt habe, aber ihr Talent für simple, effektive Melodien und Lyrics, die man nur zu gern aus seinem Herzen herausschreit, bleibt unantastbar und ist heute wieder klarer denn je.

Arm in Arm
Mir wird gerade deswegen bewusst, wie wichtig die Community – und nicht nur die Musik – speziell in dieser Szene ist. Jung und Alt verschiedenster Herkunft und Identität brüllen sich Arm in Arm die Seele raus. Unbestrittener Höhepunkt des Abends ist „Two Beers In“. Ich hab zwar schon keine Stimme mehr, aber bündele nochmal all meine Kräfte, um diesen Genre-definierenden Klassiker – und einen meiner meistgehörten Tracks überhaupt – lauthals mitzusingen. Als ob ich mir diese Chance nehmen ließe.

Vor der Zugabe berichtet Cory uns, wie er während der Arbeit am neuen Longplayer erfahren habe, dass er Vater wird und danach den nun folgenden Song „The Waters of Life“ schrieb. Für den Abschluss des Abends sorgt das Outro des Free-Throw-Debütalbums „Hey Ken […]“. Cory und auch die Mitglieder von Pool Kids nehmen sich nach der Show noch Zeit für ihre Fans und freuen sich ebenso wie wir über das vom Gebäude 9 für uns alle spendierte Wassereis.

Wer von Euch die Gelegenheit hat, zu einem Gig einer dieser tollen Bands zu gehen, sollte nicht lange überlegen. Und wem sich die Chance bietet, sie sogar allesamt noch auf dieser aktuellen Tour zu sehen, sollte am besten sofort Tickets ordern.

Concert Images by Matti Klein