Metric – Romanticize The Dive

„Romanticize The Dive“ ist der berühmte Blick zurück nach vorn: Auf ihrem zehnten Album wandeln die kanadischen Indie-Rocker Metric eine unverblümt nostalgische Wehmut in erfrischend zeitlose Songs.

Seit gut zwei Jahrzehnten tanzt das Quartett um Frontfrau Emily Haines und Gitarrist Jimmy Shaw schon auf den Grenzsteinen von Indie-Rock und Synth-Pop. Gegründet pünktlich zum Riesenhype von The Strokes und den Yeah Yeah Yeahs im New Yorker Exil, erspielen sich Metric vor allem in der heimischen Kreativ-Bubble Torontos rund um Broken Social Scene oder Stars peu à peu ihren Status als Szene-Liebling und zugleich als verlässliche Konstante im Retro-New-Wave der Nullerjahre. Irgendwo zwischen Club-Credibility und Chart-Ambitionen, Post-Punk-Kante und Pop-Appeal entwickeln sie einen Sound, der je nach Phase und Perspektive als schillernd und glitzernd, kühl und pulsierend oder hymnisch und aufgeladen beschrieben wird.

Metric sind (v.l.) James Shaw (g), Joules Scott-Key (d), Emily Haines (v+k) und Joshua Winstead (b).

28 Jahre nach ihrer Gründung machen Metric nun die Rückkehr zum Prinzip: zurück nach New York City, zurück in die Electric Lady Studios, zurück zur Zusammenarbeit mit Produzent Gavin Brown – und damit auch zurück zu einem Gefühl des Aufbruchs und des Neuanfangs. Und was sich leicht als Nostalgiefalle hätte entpuppen können, funktioniert auf „Romanticize The Dive“ ganz hervorragend: Das Album klingt über die volle Distanz intensiv, geradezu dringlich, und büßt dabei nicht das geringste Maß an Eingängigkeit ein.

Bereits der Opener und Fokustrack „Victim of Luck“ verbindet alle Tugenden von „Romanticize The Dive“ in schillernden dreieinhalb Minuten: treibender Beat, catchy Syntheinsätze und Haines’ Stimme, die mal entschlossen, mal fragil schließlich in einen Refrain führt, der sogar an die Hook-Garantinnen Tegan & Sara denken lässt. Traumstart! Dass der Song dem Album auch thematisch einen Rahmen gibt, ist wiederum bereits nach der ersten Line klar: „Let me take you back – it was the start of something“, singt Emily, während das begleitende Video verwackelte Aufnahmen früherer Tage zeigt. Auch die weiteren Stücke folgen dem Zurück-Nach-vorne-Prinzip. Da sind Tracks, die sich mit dunkel wabernder Elektronik und schroffen Gitarren an frühere Phasen anlehnen, während andere fast schwerelos wirken, atmosphärisch und schwebend, mit viel Raum für Details. 

„Romanticize The Dive“ ist ein klug gebautes und dabei angenehm leichtfüßiges Album, unter dessen polierter Oberfläche melancholische Eleganz und energetischer Punch miteinander ringen. Metric wirken dabei so geschlossen und bei sich wie lange nicht mehr. Frontfrau Emily bringt es schließlich selbst auf den Punkt: „Wir haben das, was wir wollten. Wir haben unser Leben einander gewidmet, und das ist das beste Gefühl der Welt.“


Band: Metric
Album: Romanticize The Dive
VÖ: 24.04.2026
Label: Metric Music International, Inc./ Thirty Tigers