Bad Operation – Everything Must Go

Ska’s immer noch not dead. Sein aktueller Aufguss heißt New Tone und zeigt sich ebenso offen für angrenzende Genres, wie für ein politisches Bewusstsein. Als Flaggschiff der noch jungen Bewegung veröffentlichen Bad Operation jetzt ein sehr frisches Album, das auch vor großen Gesten nicht zurückschreckt.

Die Band aus New Orleans ist dabei alles andere als ein zufälliges Newcomer-Projekt. Sie setzt sich vielmehr aus Musikern zusammen, die bereits seit den frühen 2010ern im lokalen Punk-, Hardcore- und Ska-Underground Louisianas aktiv sind. Und entsprechend selbstbewusst positionieren sie sich auch im Zentrum der New Tone-Bewegung (der Name ist selbstredend eine Reminiszenz an den Ska der legendären zweiten Welle, den sogenannten 2-Tone-Ska von Bands wie The Specials oder Madness), jener neuen Szene von Bands, die klassischem Offbeat und Gebläse nicht nur die nötige Portion Punk verpassen, sondern auch eine ordentliche Ladung Open Mindedness: Ein ausgeprägter DIY-Ethos gibt unter Bands und Fans den Ton an und Vielfalt gilt sowohl in sozialem als auch in musikalischem Kontext als höchstes Gut.

 

Alte Debütanten: Bad Operation aus Louisiana (Foto: Durado Brooks)

Der Name ihres aktuellen Outputs „Everything Must Go“ (deutsch: Alles muss raus!) ist für Bad Operation dann wohl auch besagtem Mindest entsprechendes Programm, denn es wimmelt nur so von Einflüssen und Ideen. Auf einem klar und druckvoll produzierten Longplayer dominiert zwar eindeutig Ska – mal der hektische der Namensteil gebenden Operation Ivy, mal der smoothe von Sublime und mal der krachende der Mighty Mighty Bosstones – immer wieder aber dehnt die Band auch die Ränder des Möglichen und öffnet sich bewusst massentauglichen, tanzbaren Sounds, die wohl ebenso gut auf großer Festivalbühne funktionieren würden. So tauchen zum einen Ausflüge in regelrecht pathetische Rockgefilde auf, bei denen Sänger Dominic mit seiner gewaltigen Stimme (die mich ohnehin mitunter an Brandon Boyd von Incubus erinnert) besonders glänzen kann, und zum anderen gibt es tief im Groove verwurzelte Dub- und Reggae-Passagen, die mich an die Bad Brains Ende der 1980er denken lassen (womit vielleicht auch die Reminiszenz im ersten Namensteil entschlüsselt wäre). 

Der Opener „Chokehold“ eröffnet klassisch und hält im Refrain gleich ein echtes, um stylische Orgeln ergänztes OpIvy-Zitat bereit, „Workin’ Real Hard to Let Go“ zieht das Album postwendend wieder Richtung Mitgröhl-Punk und die Vorab-Single „Free Dom“ kombiniert anschließend federnde Ska-Rhythmen mit einer fast schon hymnischen Hook. Überhaupt punktet das Album durch die Bank mit einem besonderen Gespann aus Überraschung und Balance – etwa wenn „Rico“ mit seinem Bläser-Groove sofort in die Beine geht, ehe „Simple Melody“ als lupenreine (und null komma null störende) Rockballade überrascht; nur um vom passend benannten „Never Mind“ wieder weggewischt zu werden. „OH NO“ und „Steppin’“ bringen den Reaggae und Rocksteady, ehe „Rodeo“ in bester Bosstones-Manier den Deckel drauf macht. 

Auf „Everything Musst Go“gelingt es Bad Operation über die volle Distanz von zehn Songs ihre tiefe Liebe zu Ska-Musik und all ihrer Helden zum Ausdruck zu bringen, ohne zu irgendeinem Zeitpunkt in Nostalgie abzugleiten. Selbstbewusst, eigenständig und mit spürbarer Spielfreude liefern Bad Operation hier kein Genre-Zitat, sondern tatsächlich ein Update. Der Sommer kann kommen!

Band: Bad Operation
Album: Everything Must Go
VÖ: 24.04.2026
Label: Bad Time Records