Danger Dan – Keine Angst

Über die Eindringlichkeit des Songs „Keine Angst“ von Danger Dan wurde viel gesagt und geschrieben. Dass der Musiker auf seinem neuen Soloalbum die Spannung dieser Vorab-Single nicht durchgehend halten kann, ist da fast nur logisch.

Die sieben Minuten von „Keine Angst“ berühren mich emotional sehr. Mit Kindern, die man antifaschistisch erziehen möchte, und Hakenkreuzen auf den Stromkästen im eigenen Kiez spricht mir Danger Dan extrem aus der Seele. Das gleichnamige Album hat aber mehr zu bieten als diesen Song, der natürlich alles was rechts von der Mitte (und Teile der Mitte) steht, wahnsinnig getriggert hat. Allein das zu beobachten, dürfte der Crew um Danger Dan große Freude bereitet haben.

Auch „Dass es hier so schön ist“ ist als Single natürlich sehr schlau gewählt, macht der Song doch auf die seltene Augenerkrankung Retinitis pigmentosa aufmerksam, an der Daniel leidet. Es ist eine seiner großen Stärken, Dinge wie seine Erkrankung so wundervoll und emotional in Worte zu fassen. „Brutal und unfair“, aber eben auch der „Schimmer, der jeden Augenblick so kostbar macht“. Als Hörender wird einem direkt bewusst, dass man selbst immer wieder vergisst, wie schön es „hier“ eben auch sein kann.

Der Erfolg der Antilopen Gang, seiner Band, die vor Kurzem auf unbestimmte Zeit in eine Ruhepause gestartet ist, und das mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnete Album „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ kamen nicht von ungefähr. Sein Wortwitz, das Gespür für gesellschaftliche Themen und die Auseinandersetzung mit dem aktuellen Tagesgeschehen machen Danger Dan zu einem der wichtigsten Songwriter und Liedermacher des Landes. In Zeiten, in denen homophobe Angriffe an der Tagesordnung zu sein scheinen, einen so klar formulierten Song wie „Warum es nicht geklappt hat“ zu veröffentlichen, ist nicht nur wichtig, sondern auch mutig. Großartiger Song!

Aufgenommen hat er das Album gemeinsam mit seinem Bruder Panik Panzer bei sich zu Hause. Kein großer produktionstechnischer Aufwand, lediglich ein Streicherquartett wurde in Zürich aufgenommen. Diese eher zurückgenommene Herangehensweise ergibt natürlich Sinn, wirken Teile der Stücke dadurch noch eindringlicher. Gleichzeitig merkt man Daniel an, dass er sicherlich kein virtuos aufspielender Pianist ist. Und vergleicht man seine beiden Klavieralben miteinander, kommt man nicht umhin, eine gewisse Redundanz festzustellen.

Womit wir wieder bei der Einleitung wären. Die Tiefe und Intelligenz seiner Texte kann Danger Dan musikalisch nicht auf dem gleichen Niveau unterlegen. Das führt nicht dazu, dass „Keine Angst“ ein schlechtes Album wäre. Mitnichten, es ist sogar ganz hervorragend. Aber die Messlatte, die ein Song wie der Titeltrack setzt, ist vielleicht einfach zu hoch, um alle Erwartungen zu erfüllen.


Künstler: Danger Dan
Album: Keine Angst
VÖ: 02.10.2026
Label: Ölsardinenindustrie