Muse – The Wow! Signal

Englands New-Prog-Veteranen Muse veröffentlichen mit „The Wow! Signal“ ihre zehnte Studio-LP, mit der sie wieder mehr den Kurs ihres traditionelleren Spacerock-Outfits einschlagen – ein fesselndes konzeptionelles Album mit dem Potenzial, den einen oder anderen Band-Klassiker hervorzubringen.

Das sogenannte „Wow!-Signal“ war ein extrem starkes Radiosignal aus dem All, das im August 1977 von einem Radioteleskop der US-amerikanischen Ohio State University empfangen wurde und über eine Minute lang anhielt. Aufgrund seiner ungewöhnlichen Stärke gilt es bis heute als prominentester Kandidat für eine mögliche Botschaft außerirdischer Intelligenz – trat danach jedoch nie wieder auf.

Verweis auf Bandwurzeln
Diese Weltraum- und Zukunftsmetaphern haben sich durch die komplette Kampagne zur neuen Muse-Platte gezogen. Fünf Vorab-Singles der insgesamt zehn LP-Tracks haben Matthew Bellamy (Gesang, Gitarre, Keys), Christopher Wolstenholme am Bass und Drummer Dominic Howard released, um „The Wow! Signal“ anzukündigen und die Vorfreude ihrer Fans zu wecken.

Die dritte Songauskopplung „Cryogen“ birgt dabei das größte Potenzial, zu einem Signature-Song des 1994 im britischen Teignmouth gegründeten Trios zu werden. Ein Muse-Track im klassischen Sinne, verweist das Stück auf die Bandwurzeln um die Jahrtausendwende, indem es stilistisch Alternative- und Progressive-Rock miteinander verbindet. Seine wuchtigen Metal-Gitarrenriffs und Drums erinnern zudem eindringlich an den Muse-Überhit und Live-Favoriten „Plugin Baby“.

UKs-Alt-Rocker 2015 im Kölner Gloria-Theater

Ellie-Goulding-Feature
Der bassgetriebene, drängende Groover „Nightshift Superstar“ ist für den Indiedisco-Dancefloor geschrieben worden und neben „Cryogen“ mein erklärter Liebling auf dem Longplayer. Die „Shimmering Scars“ klingen angenehm unspektakulär und haben ihre erzählerische Stimme hingegen eher nach innen gerichtet.

„Unravelling“ kommt ebenfalls mit den Muse-typischen Metal-Anleihen daher und das futuristische „Be With You“ besticht durch aufheulende, messerscharf schneidende Eighties-Rock-Gitarrenparts, an die „Hexagons“ nahtlos anknüpft. Auf „Hush“ lassen Muse auf zeitgemäße Weise dann einmal mehr gekonnt ihre Vorliebe für elektronische Musik miteinfließen – vorgetragen im umwerfenden Gesangsduett mit der britischen Singer-Songwriterin Ellie Goulding. Ein weiteres Lied mit dem Zeug zum Klassiker.

Muse im strömenden Regen des Domstadt-Mediaparks, 2022

Stimmige Opulenz & Live-Shows
Während das letzte Muse-Album „Will Of The People“ (2022) inhaltlich über seine ganze Länge zwar politisch geprägt war, dabei jedoch nie zu einer musikalischen Einheit reifte, sendet das von Dan Lancaster (Blink-182, 5 Seconds Of Summer) produzierte „The Wow! Signal“ samt Sci-Fi-Sound in sich stimmige Vibes und gibt ein rundes künstlerisches Gesamtbild ab. Auch, weil es wieder intensiver auf die für Muse so charakteristische Opulenz setzt, ohne dabei jedoch an Direktheit einzubüßen, die das englische Trio in den frühen 2000er-Jahren zu einer der stilprägenden Alternative-Rock-Bands gemacht hat. Mit „The Wow! Signal“ treten sie ihr eigenes Erbe an.

Dass Muse auf der Bühne ebenso eine regelrechte Naturgewalt sind, werden sie diesen Spätherbst übrigens mit drei Indoor-Arena-Shows in Düsseldorf und Berlin unter Beweis stellen, bevor Matt Bellamy, Dominic Howard und Chris Wolstenholme dann vermutlich im kommenden Jahr auf größere (Stadion-)Tournee gehen.

Live Images by Sven Klein

Artist: Muse
Album: The Wow! Signal
VÖ: 26.06.2026
Label: Helium 3 / Warner Music