Crooked Fingers – Swet Deth

Nach langer Zeit verlässt Indierocker Eric Bachmann erstmals wieder die eingeschlagenen Solopfade und erweckt seine Crooked Fingers zu neuem Leben. „Swet Deth“ versammelt somit nicht nur etliche Musiker, sondern auch einen Haufen Songs, die zwar alle vom Ende handeln, dabei aber ausgesprochen frisch klingen.

Der Multiinstrumentalist Eric Bachmann ist seit den Neunzigern eine Konstante im amerikanischen Indie-Kosmos. Mit Archers of Loaf schrieb er zwischen 1991 und 1998 kantige College-Rock-Hymnen, und seit 1995 veröffentlicht er Soloalben auf Saddle Creek Records, dem musikalischen Zuhause der von mir so geschätzten Bright Eyes, Cursive oder Rilo Kiley. Und dort frönte er mehr und mehr der Reduktion: mehr Folk, mehr Southern Noir, mehr Raum für seine brüchige, charakteristische Stimme. Seit 1998 bündelt er diese Stränge dann auch in einem losen Bandgefüge namens Crooked Fingers und öffnet ihnen so kompositorisch das Feld. Zwischen trüber Schwermut, staubigem Americana und sprödem Indie-Rock bleiben Crooked Fingers dabei aber stets ein Projekt im Prozess: keine feste Besetzung, keine Wiederholung, stattdessen ein Sammelbecken für Ideen und Songs.

Mastermind hinter Crooked Fingers und den Songs auf „Swet Deth“: Eric Bachmann.

„Swet Deth“ knüpft genau dort an. Ursprünglich als Soloplatte gedacht, sprengen Bachmanns neueste Ideen schnell das enge Korsett des Singer-Songwriters. Komplexere Arrangements, größere Dynamik und mehr Stimmen sind gefragt. Und so erweitern Jeremy Wheatley am Schlagzeug, Jon Rauhouse an der Pedal Steel sowie Gäste wie Sharon Van Etten, Matt Berninger und Mac McCaughan folgerichtig das Klangbild. Inspiriert von der morbiden Zeichnung seines Sohnes, die das Cover ziert, singt Bachmann dazu bittersüße Songs über Abschied, Leere und Zerfall. Von Schilderungen toxischer Beziehungen, leerer Versprechen und Zweifel am eigenen Denken bis hin zu Liedern, in denen der Tod schließlich ganz konkret wird, zieht sich ein Band der Schwermut durch das Album, das dank der Leichtigkeit und Vielschichtigkeit der Musik dennoch meist vergnügt im Wind zu flattern scheint.

Die Trias aus dem rockig-beschwingten Opener „Cold Waves“, dem zynischen „From All Ways“ und dem trägen „Spray Tan Speed Queen (In A German Car)“ eröffnet dem Album den Weg entlang schwer anzustellender Vergleiche mit Tom Petty, Frank Black, George Harrison, Nick Cave, Calexico oder Dinosaur Jr. Kauzige Indie-Songs wechseln sich ab mit gefühlvollen Balladen und vertrackten Rockern. Während „Haunted“ beispielsweise mit treibenden Synths überrascht, wirkt „Insomnia“ düster und tonnenschwer. Das Springsteen-eske „(I’m Your) Bodhisattva“ dagegen erscheint fast schon versöhnlich.

Es ist diese stilistische Spannweite, die es Crooked-Fingers-Rookies wie mir nicht leicht macht, das Album auf Anhieb zu fassen. Aber genau darin liegt auch der Reiz dieses Longplayers, der sich von Durchgang zu Durchgang mehr erschließt: Jeder dieser tollen Songs öffnet eine neue Tür. [kh]

Act: Crooked Fingers
Album: Swet Deth
VÖ: 27.02.2026
Label: Merge Records