Paper Hats – Once Was Enough

„Emotive Noise“, so beschreibt sich die Londoner Band Paper Hats. Ein treffender Ausdruck für ihre Mischung aus Emocore und Noise Rock, der mit einer Portion britischem Flair getoppt wird. Jetzt veröffentlichen sie ihre Independent- Debüt-EP „Once Was Enough“ im Vertrieb von The State51 Conspiracy.

Nach dem ersten Paper-Hats-Release „D’Artagnan“ aus Juni letzten Jahres wurde es erstmal ein bisschen stiller um die Four-Piece-Band, bis im vergangenen März die Leadsingle „Tether“ veröffentlicht wurde. Beides äußerst eindrucksvolle Tracks, die mich sofort für dieses Projekt begeisterten.

Der Album-Opener „Sharp(♯)“ zeigt die Paper Hats von ihrer rockigsten Seite, produktionstechnisch rotzig wie nur der zu früh verstorbene Großmeister Steve Albini selbst. Aber hier steckt nicht nur Albini und Ian MacKaye drin, die manische Energie und Math-Rock-Einflüsse weisen auch auf eine Verbundenheit der eigenen Szene zu Bands wie Black Midi hin.


Paper Hats by Richard Mukuze

Keine Effekthascherei
Die frenetischen Gitarrenriffs von Sam Eccleston und der unberechenbare Gesang von Clemente Contreras werden durch eine messerscharf getaktete Rhythmus-Sektion zusammengehalten. Gabe Khitarishvili-Awde spielt dabei nicht nur den Bass, sondern gibt durch seine Produktion der EP auch ihren unverkennbaren Sound. So klingt etwa die Snare von Conn Perry fast schon so gedämpft wie eine Mülltonne. Generell wird auf ein authentisches Klangbild gesetzt und nicht auf Effekthascherei.

Die Leadsingle „Tether“ könnte nicht besser gewählt sein. Sie repräsentiert die ruhige und melancholische Seite des britischen Quartetts – ebenso wie ihre lärmend-wütende. „Da ist dieses Gefühl, dass ein Reißverschluss in deinem Ohr zugezogen wird, jedes Mal, wenn die rhythmischen Akkorde versuchen, ein Loch durch das ganze Feeback zu stechen“, beschreibt Khitarishvili-Awde den Höhepunkt des Lieds.

Intim und gesellschaftskritisch
Die lyrischen Themen bleiben szenetypisch gesellschaftskritisch und emotional intim. Wut gegen das System sowie die Ausbeutung und Angst um Zukunft und Wohlbefinden – verpackt in poetischer oder auch abstrakter Ausdrucksweise. Mal vorgetragen mit ruhigem Spoken-Word, manchmal direkt aus der Lunge herausgeschrien mit der Dringlichkeit eines zerfallenen Staates.

„Once Was Enough“ wird mit dem erdrückend schweren „Grin Rho“ abgeschlossen, das sich immer chaotischer aufbaut, bis es schließlich nach fünfeinhalb Minuten wie auf einen Schlag endet. Mit fünf Tracks und einer Laufzeit von fast 27 Minuten liefern die Jungs hier ein großartiges Frühwerk, mit dem sich die Community auf die Zukunft freuen darf.

Pre-Listening-Party morgen!
Live durfte ich Paper Hats leider noch nicht erleben, allerdings hat mir die Band verraten, dass sie „liebend gerne nach Köln kämen“ – ihre erste und bislang einzige Headliner-Show außerhalb des Vereinigten Königreichs fand vor zwei Jahren in der Nachbarstadt Düsseldorf statt. Wer jetzt Lust auf die Briten und ihre EP bekommen hat, ist herzlich dazu eingeladen, morgen an ihrer exklusiven Pre-Release-Online-Listening-Party teilzunehmen, bei der die Band auch Fragen ihrer Fans beantwortet.

Band: Paper Hats
Album: Once Was Enough
VÖ: 26.05.2026
Label: Self-Release / State51