The Black Keys – Peaches!
Auf ihrem 14. Studioalbum setzen The Black Keys auf Rückbesinnung statt auf Neuausrichtung und erwecken mit „Peaches!“ zehn alte Blues-Standards zum Leben. Ungeschliffen, ja beinahe demonstrativ roh wirkt dieser späte Eintrag in ihre Diskografie – dafür aber auch überzeugend ungekünstelt und in sich stimmig.
Seit den frühen 2000ern stehen The Black Keys für eine eigenwillige Erfolgsgeschichte zwischen Garage-Blues und Mainstream-Rock. Vom rumpelnden Lo-Fi der Anfangsjahre über den Durchbruch mit „Brothers“ und „El Camino“ bis hin zu späteren, teils minutiös ausproduzierten Alben hat sich das Duo aus Akron immer wieder neu justiert. Dan Auerbach und Patrick Carney bewegen sich dabei stets zwischen Authentizität und kalkulierter Zugänglichkeit und gerade die jüngeren Veröffentlichungen ließen stellenweise eine gewisse Glätte erkennen, die nicht immer mit der ursprünglichen Dringlichkeit der Band korrespondierte. Vor diesem Hintergrund erscheint „Peaches!“ nun wie eine bewusste Kehrtwende: weg von Verdichtung durch Produktion, hin zur Konzentration auf das Wesentliche. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Umstände der Entstehung – eine durch Schicksalsschläge im Umfeld der Band persönlich aufgeladene Phase, die dem Material eine ernstere Ausrichtung verleiht und so vielleicht die Rückkehr zum unmittelbaren, intuitiven Arbeiten plausibel macht.

The Black Keys: Dan Auerbach und Patrick Carney • (Foto: Larry Niehues)
Auf „Peaches!“ präsentieren die beiden Musiker zehn wuchtige Bluesbrocken von beispielsweise Willie Griffin and Company, Earl Hooker, Jesse Mae Brooks oder Wilko Johnson, die allesamt in einer einzigen Jamsession hätten entstanden sein können. Und zwar in einer Jamsession zu später Stunde, in einem schummrigen, feuchten, vielleicht nur halb gefüllten Keller. Die meisten Songs gehen nahtlos ineinander über, allenfalls verbindet die Tracks eine letzte Rückkopplung oder ein kurzer Austausch der beiden Musiker, ehe Drums oder Gitarre schon den nächsten Song anschlagen. Der Sound bleibt konsequent trocken und direkt, klingt oft regelrecht spröde. Die Arrangements zeigen die Blues-typische Vorliebe für Repetition, Variationen bleiben Mangelware. Stoische Grooves, kantige Riffs und stringente Leadvocals ackern sich durch ein Repertoire längst vergangener Zeiten. The Black Keys ziehen sich ostentativ auf archetypische Muster des Blues-Rock zurück, ohne diese nennenswert zu erweitern. Und doch: Aus all dem Knarzen und der kauzigen Beharrlichkeit entsteht mit jedem Song mehr eine ganz eigentümliche Spannung.
„Peaches!“ erarbeitet sich Aufmerksamkeit nicht durch Highlights oder Variation, sondern durch Persistenz. Es ist das Offene, das Unfertige, das den Reiz dieses Release ausmacht. Eingängige Hooks oder klar konturierte Höhepunkte treten zugunsten von Atmosphäre und Kontinuität in den Hintergrund. Und auch in der Produktion zeigt sich diese Haltung: kaum Effekte, wenig Nachbearbeitung, stattdessen der Charakter einer dokumentarischen Momentaufnahme.
Ich bin kein Freund von Cover-, Live- oder Best-of-Alben. Ich möchte die Entwicklung einer Band nachvollziehen können. Ich möchte an neuer Musik erfahren, in welcher Phase ihres Schaffens sie sich befindet. Neue Musik verweigern The Black Keys auf uns „Peaches!“ jedoch – und zugleich auch wieder nicht. Denn auf dem Papier ist zwar keiner der Tracks ein eigener Song, und doch haben Dan Auerbach und Patrick Carney jeden einzelnen zu einem solchen gemacht – und zeigen damit sehr wohl, wo die Band gerade steht.
Tracklist:
When There’s Smoke, There’s Fire (Willie Griffin and Company)
Stop Arguing over Me (Paul „Wine“ Jones)
Who’s Been Foolin’ You (Arthur Crudup)
It’s a Dream (Charles Fisher, Jr.)
Tomorrow Night (Sam Coslow, Wilhelm Grosz)
You Got to Lose (Earl Hooker)
Tell Me You Love Me (Jesse Mae Brooks)
She Does It Right (Wilko Johnson)
Fireman Ring the Bell (R. L. Burnside)
Nobody but You Baby (Junior Kimbrough)

Band: The Black Keys
Album: Peaches!
VÖ: 01. Mai 2026
Label: Easy Eye Sound / Warner Records
