Friko – Something Worth Waiting For
Die Musik-Szene Chicagos erlebt aktuell wieder einen großen Aufschwung und Friko beweisen sich mit ihrer zweiten LP als eine der spannendsten Bands der Region: Mit Produzent John Congleton von The Paper Chase knüpfen sie dabei an Bewährtes an und entwickeln sich gleichzeitig weiter nach vorn.
Mit großer Erwartung ging ich in „Something Worth Waiting For“ rein. Die junge Band aus Chicago hatte mich mit ihrem 2024er-Debütalbum „Where We’ve Been, Where We Go From Here“ überzeugt, ein neuer Stern am Indie-Rock-Himmel zu sein.
Erfrischend und dennoch vertraut
Nach gefühlt etlichen „Black Country, New Road“-Copycats und dem immer stärker überfüllten Markt der Windmill-Scene – auch bekannt als Crank Wave – war ich glücklich, etwas Erfrischendes und dennoch Vertrautes zu hören.
Mit ihrem Indie-Rock samt Chamber- und Noise-Elementen schweifen die US-Amerikaner zwar nicht stark vom britischen Sound ab, verpacken das jedoch musikalisch so frisch wie sonst niemand. Zwei Jahre nach der Debüt-LP komplettieren Gitarrist Korgan Robb und David Fuller am Bass nun das Band-Lineup um die beiden Gründungsmitglieder Niko Kapetan (Gitarre, Gesang) und Drummerin Bailey Minzenberger.

Friko by Adam Powell
Noisy Gitarren, Tremolo-Stimme
Anfang Februar 2026 erschien die Lead-Single „Seven Degrees“ des neuen Longplayers, die mich sehr überraschte, da Friko plötzlich nach Paul McCartney und den Beatles klangen. Der Song ließ mich dennoch nicht los und die Melodie setzte sich sofort in meinem Kopf fest. Die drei weiteren Vorab-Song-Auskopplungen verpasste ich und erwartete deshalb die ganze LP in diesem Stil.
Der Opener „Guess“ zeugt allerdings sofort vom Gegenteil. Da ist er wieder, dieser großartige Indie-Rock, die Tremolo-lastige-Stimme, die noisy Gitarren, diesmal untermalt durch die kristallklare Produktion von John Congleton (The Appleseed Cast, St. Vincent, Swans).
Reminiszenz an The Killers
Dieser Vibe zieht sich dann durch die ersten drei Album-Tracks, die durchaus als Reminiszenz an The Killers gedeutet werden dürfen – auch dank ihrer 2000er-Jahre-Indie-Vocals-Produktion, bei der Tiefen und Höhen ausradiert sind und dadurch ihr charakteristischer Radio-Sound entsteht.
„Choo Choo“, der zweite Vorab-Single-Release, ist eine musikalisch explosive Ode an Eisenbahnen. „Züge waren schon immer etwas Magisches für mich“, erklärt Frontmann Niko Kapetan seine persönliche Faszination, die auch im weiteren Verlauf der Platte immer mal wieder eine Rolle spielt.
Überwältigendes „Certainty“
Der Longplayer geht danach in eine orchestralere Richtung. „Alice“, ein Song inspiriert von der Alice-im-Wunderland-Story, startet mit einer Melodie, die Gitarrist Korgan Robb im Alter von sechzehn Jahren als seine allererste Pianokomposition schrieb und noch davon träumte, einmal Teil einer großen Albumproduktion zu sein.
Auf der B-Seite von „Something Worth Waiting For“ werden die Songs dann zunehmend länger mit einer Spielzeit von bis zu sechs Minuten. Das höchst emotionale und zugleich fast überwältigende Streicherstück „Certainty“, arrangiert von Jherek Bischoff (ehemals Xiu Xiu), wird dabei zum epischen Höhepunkt der Platte, bevor die Four-Piece-Band dann mit „Hot Air Balloon“ wieder zum goldigen Indie-Sound zurückkehrt und ihre Stärke für eingängige und wohlklingende Refrains ausspielt.

Chicagos neuer Indie-Rock-Stern (Copyright Adam Powell)
Nostalgie und bittersüße Melancholie
Nostalgie oder bittersüße Melancholie – „Something Worth Waiting For“ hat Indie-Liebhabern einiges zu bieten. Die Musik fängt sinnbildlich das Gefühl vom Ende eines unvergesslichen Sommertags in der Adoleszenz ein: die Hoffnung auf Neues sowie die Sehnsucht nach Altem.
„Seit unserem ersten Album hat sich viel verändert und wir sind so gewachsen – ich glaube, dass sich das auch in Zukunft fortsetzen wird“, sagt Schlagzeugerin Bailey Minzenberger. „Wenn man etwas Neues ausprobiert, hat man normalerweise viel Angst oder fühlt sich unwohl, aber wir werden einfach so authentisch wie möglich bleiben und weiterhin das erschaffen, was sich für uns richtig anfühlt.“
„Tiefe Liebe zur Musik im Blut“
„Wir verbringen so viel Zeit damit, über Songs zu sprechen und uns auf jedes Detail zu konzentrieren“, ergänzt Bassist David Fuller. „Diese tiefe Liebe zur Musik steckt uns allen im Blut, was sie für jeden von uns zu etwas ganz Besonderem macht.“
Und auch, wenn Friko mit ihrem zweiten Longplayer für mich persönlich ihr Debüt-Album vielleicht nicht ganz übertreffen konnten, haben sich die vier Indie-Rocker aus Chicago auf „Something Worth Waiting For“ richtig was getraut und eindrücklich bewiesen, dass die Geschichte dieser Band noch lange nicht auserzählt ist.

Band: Friko
Album: Something Worth Waiting For
VÖ: 24.04.2026
Label: ATO Records
