Brockhoff – Easy Peeler
Pfingsten 2024: Auf der Bühne des Orange Blossom Special Festivals steht eine Musikerin aus Hamburg. Brockhoff nennt sie sich – und begeistert mich bereits nach wenigen Minuten. Nun erscheint endlich ihr langersehntes Debütalbum „Easy Peeler“.
Nach diesem fantastischen Auftritt in Beverungen kaufte ich mir umgehend die beiden damals verfügbaren EPs „Sharks“ (2022) und „I’ve Stopped Getting Chills For A While Now“ (2023), die seitdem regelmäßig auf meinem Plattenspieler gelandet sind. So stark und ambitioniert diese Veröffentlichungen auch waren – das Debütalbum von Lina Brockhoff stellt ihren bisherigen Output deutlich in den Schatten.
Dabei wirken die Songs auf „Easy Peeler“ auf den ersten Blick gar nicht spektakulär. Gitarrenrock mit klaren Wurzeln in den 1990er-Jahren trifft auf modernen Pop-Appeal und eine angenehme Unaufgeregtheit. Immer wieder geht es um Zweifel am eigenen künstlerischen Schaffen, die Brockhoff jedoch in bemerkenswert selbstbewusste Songs verwandelt. Herausgekommen ist ein derart erwachsenes und überzeugendes Album, dass es schwer vorstellbar erscheint, wie sie das in Zukunft noch toppen will.
Natürlich drängen sich Vergleiche zu großen Alternative-Bands der 1990er-Jahre auf. Ob K’s Choice, The Cardigans oder – vielleicht etwas überraschender – Veruca Salt: Letztlich spielt das keine große Rolle. Beeindruckend ist vielmehr, wie mühelos Brockhoff diese Einflüsse mit aktuellen Künstlerinnen wie Phoebe Bridgers oder Snail Mail verbindet. Die 14 Songs auf „Easy Peeler“ sind dabei durch die Bank stark. Denn bereits beim ersten Hördurchgang beeindruckt die stilistische Bandbreite des Albums. Während der Titeltrack mit ordentlich Druck und fastschon unterschwellig aggressiv aus den Boxen kommt, entwickelt sich „The Carpet Song“ zu einer kleinen Uptempo-Nummer, die gegen Ende spürbar an Fahrt gewinnt. Gleichzeitig weiß auch das stark reduzierte, beinahe zerbrechlich wirkende „It Never Happened“ zu begeistern – getragen von Brockhoffs großartiger Stimme. Das Album ist abwechslungsreich und zugleich vollkommen in sich geschlossen. Dazu kommt eine Produktion, die nahezu makellos wirkt. Auch hier war jemand am Werk, der ganz genau verstanden hat, wie das Album zu klingen hat.
Ich weiß, Superlative sind ein wenig lame… Aber hier komme ich nicht darum herum festzustellen, dass ich seit langer Zeit kein Album mehr gehört habe, das in seiner Gesamtheit derart nah an der Perfektion kratzt.

Künstlerin: Brockhoff
Album: Easy Peeler
Label: PIAS Recordings
VÖ: 05.06.2026
