Simple Plan & Neck Deep & Charlotte Sands, Düsseldorf, MEH (08.10.2026)

Nach ihren Support-Shows für The Offspring im vergangenen Jahr sind Simple Plan wieder in Deutschland unterwegs und füllen auch ohne den Mega-Seller aus Orange County die großen Hallen des Landes.

Zuerst darf aber Charlotte Sands auf die Bühne, um die schon recht gut gefüllte Halle mit ihrer Performance zu überzeugen. Mit viel Playback, einem Live-Drummer und ein paar ganz ordentlichen Songs kann sie Teile der Anwesenden überzeugen. Insgesamt ist das alles auch nicht unsympathisch dargeboten. Ich für meinen Teil habe den Auftritt – so ehrlich muss ich sein – nicht so recht verstanden. Das Publikum sieht das anders und verabschiedet sie am Ende mehr als nur wohlwollend.

Neck Deep

Neck Deep sind da schon eine andere Hausnummer. Mit fast 15 Jahren Live-Erfahrung und fünf Alben bei Hopeless Records im Gepäck wissen die Waliser ganz genau, was sie tun müssen, um das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Nach einem eher verhaltenen Beginn bildet sich vorne in der Halle ein Mini-Moshpit, der das Eis bricht. Die Band freut sich sichtlich über die Publikumsreaktionen und die Dutzenden Crowdsurfer, die sich bis zum Ende des wirklich guten Sets in Richtung Bühne treiben lassen. Während „STFU“ in der Mitte des Sets die Punk-Wurzeln der Band unterstreicht, gibt es gegen Ende die poppige Hitsingle „December“, die ich persönlich jetzt nicht gebraucht hätte, die den sehr guten Auftritt der Band aber nicht schmälern kann. Ich würde Neck Deep gerne noch mal in kleinerem Rahmen sehen, gehören sie für mich auf jeden Fall zu den guten Vertretern des Genres.

Simple Plan kommen unter ohrenbetäubendem Jubel mit „I’d Do Anything“ auf die Bühne. Wie ich bereits zu ihrer Dokumentation „The Kids In The Crowd“ schrieb, gewinnt die Band sicherlich keinen Preis als coolste Band des Planeten. Dafür weiß der Millionen-Seller aus Montreal nur zu gut, welche Knöpfe beim Publikum gedrückt werden müssen – und tut das natürlich auch. Aber während ich eine Woche zuvor eine gesichtslose und vollkommen emotionslose Backstreet-Boys-Show in Düsseldorf über mich ergehen lassen musste, sind Simple Plan in der Mitsubishi Electric Halle einfach sympathisch, wertschätzend und nahbar.

Simple Plan

Außerdem sind sie super eingespielt und haben ein 90-minütiges Set, das ausschließlich aus Hits besteht („Shut Up!“, „Jet Lag“, „Welcome To My Life“). Okay, der Medley-Part kurz vor Schluss, in dem sie „All Star“, „Sk8er Boi“ und „Mr. Brightside“ covern, müsste nicht zwingend sein – Spaß gemacht hat er aber trotzdem. Der Rest ist perfekte Unterhaltung. Zu „Summer Paradise“ werden riesige Beachbälle ins Publikum geworfen, „Untitled“ spielt Sänger Pierre Bouvier auf einer Minibühne am anderen Ende der Halle. Danach singt er „Me Against The World“ im Publikum und genießt sichtlich das Bad in der Menge. Zu „What’s New Scooby Doo“ dürfen als Scooby-Doo verkleidete Fans aus dem Publikum wie immer mit auf die Bühne und so weiter und so fort.

„I’m Just A Kid“ wird dann leider ein bisschen zerquatscht – zum Leidwesen meiner Begleitung. Aber auch hier gibt es das volle Unterhaltungsprogramm: Während Drummer Chuck ins Publikum springt, spielt Bouvier einfach den Rest des Songs am Schlagzeug, bevor das Publikum mit dem Schlusssong „Perfect“ in den Feierabend geschickt wird.


Man muss diese Art von Konzert nicht gut finden, man darf auch darüber streiten, wie viel Pop eigentlich in einen Punksong passt. Macht man sich aber von der Dogmatik komplett frei, sind Simple Plan einfach eine wahnsinnig tolle Band mit einem tollen und rücksichtsvollen Publikum. Und wenn Bouvier sagt, dass jeder zur Simple-Plan-Familie gehören darf, dann nimmt man ihm ab, dass er mit seiner Band einen sicheren Hafen für alle Fans bieten möchte. Und das ist heute auch nicht (mehr) selbstverständlich.

Wie schrieb ein guter Freund nach der Show via Textnachricht? „Klingt wie der Schrott, den Du immer im Auto hörst. Aber es könnte alles viel schlimmer sein. Deine Frau hätte Dich ja auch zu den Backstreet Boys schleppen können.“

Nun gut …