Remi Wolf – Mud

Mit musikalischem Stilbruch und der ehrlichsten Stimme der Pop-Welt kehrt die US-Amerikanerin Remi Francis Wolf mit ihrem dritten Album „Mud“ zurück, auf dem sie mit warmig-wohlem Songwriting und viel Herz(schmerz) überzeugt.

Wie sagt man auf gut Deutsch? „Im Dreck stecken“ – genau das scheint Wolf auf diesem Album sowohl figurativ als auch tatsächlich auf dem Plattencover zu tun. Ersteres lässt sich nach Anhören ihrer Lieder nach meinem Dafürhalten zumindest in Teilen durchaus so interpretieren. Ebensogut könnte das schlammige Cover-Artwork aber auch einen Reinigungsprozess symbolisieren. Jedenfalls ist die Zeit der Synths vorbei und die Gitarre ausgepackt, weg vom Dancefloor und hin zum Lagerfeuer. Auf „Mud“ erzählt die Kalifornierin, intim wie noch nie, von unerwiderter Liebe und Sehnsucht.

Und auch, wenn ich mit ihrer Musik ansonsten weniger anfangen kann, als ich mir wünschen würde, holt mich Remi Wolf auf dem neuen Longplayer komplett ab. Ihre unverkennliche Stimme und die gemütliche Atmosphäre packen mich. Wie eine Umarmung unter den richtigen Freunden, fühlt sich dieses Album nach einer perfekten Katharsis an. Keine Show mehr, sondern pure Emotionen.


Remi Wolf by Zachary Gray / Universal

Traum geht in Erfüllung
In einem Interview aus dem Jahr 2020 sagte die damals debütierende Künstlerin noch, dass Singer/Songwriter John Mayer sie durch die Pubertät gebracht habe und benannte ihn auch als ihre „Traum-Kollaboration“. Sechs Jahre später singt sie nun auf „Moon So High“ ein Duett mit Mayer und – obwohl nicht einer meiner Lieblings-Artists – passt er schon verdammt gut aufs Album.

Zerbrechlich und dreckig
Pinke Melodien lullen Country-Rock-Gitarren ein und schaffen somit den perfekten Kontrast zwischen zerbrechlich und dreckig. Lyrisch geht Remi Wolf größtenteils auf vergangene Beziehungen ein. Entweder bittersüß wie auf meinem Favoriten „Twiggy“ oder aber komplett niedergeschlagen auf „I Won’t Cry“ und dem Isaac-Hayes-esken „Jamie“, inklusive Spoken Word.

In Wolfs Songgeschichten spielt zudem Alkohol immer wieder eine Rolle. Sie ging 2021 auf Entzug und kämpft seitdem mit ihrer Abstinenz. Dem New Musical Express erzählte sie, dass sie erst kurz vor dem Schreiben ihres neuen Longplayers wieder mit dem Trinken aufgehört habe und dass die Lieder der lyrische Selbstmord ihres Alkoholmissbrauchs seien. Auf dem Album-Titeltrack singt Remi Wolf lakonisch „Nothing that I write sounds like the Songs on the Radio“ – und weiß Gott, bin ich froh darüber.

Artist: Remi Wolf
Album: Mud
VÖ: 09.10.2026
Label: Island Records / Universal Music