Foy Vance – The Wake
1999 stirbt der reisende Prediger Hugh Vance. Noch in der Nacht des Todes beschließt sein Sohn Foy ihm sieben Alben zu widmen – eines für jedes Jahr der Trauer und des inneren Wachstums. Mit „The Wake“ erscheint nun das letzte Kapitel dieses außergewöhnlichen Projekts.
Seit „Hope“ (2007), dem ersten Siebtel, entwickelt der 1974 in Bangor, Nordirland geborene und heute in Schottland lebende Foy Vance also seine eigenwillige Mischung aus Folk, Soul, Blues und Americana, die deutlich spürbar von seinen Kindheitsjahren in den USA geprägt ist. Und spätestens mit der Förderung von Weltstars wie Ed Sheeran oder Elton John, der 2016 mit „The Wild Swan“ den zweiten Teil der Reihe produzierte, wird dem Musiker mit der außergewöhnlichen Stimme und dem erzählerischen Instinkt nicht nur die Anerkennung eines breiteren Publikums zuteil, sondern 2023 schließlich auch der Gewinn des Primitime Grammy Awards.

Künstler durch und durch: Foy Vance ist Musiker, Maler und Filmemacher. (Foto: Gregg Houston)
Für „The Wake“ (engl.: Totenwache), das finale Kapitel dieses lang angelegten Zyklus, suchte sich Vance nun einen Partner, der selbst für eine ganz bestimmte Idee von Musik und Klang steht: den englischen Produzenten Ethan Johns. Johns, der im Laufe seiner Karriere mit Künstlern wie Paul McCartney oder Rufus Wainwright gearbeitet hat, gilt als Meister des unaufgeregten Studios – ein Produzent, der Songs nicht überladen, sondern in ihrer ursprünglichen Energie einfangen möchte. Und dieser Philosophie folgen die Arbeiten an „The Wake“ konsequent: Alles erinnert an klassische Bandaufnahmen. Viel gemeinsames Spiel im Raum, wenige Overdubs, viel Nähe, viel Unmittelbarkeit. Johns stellt die Kompositionen ins Zentrum und schafft eine Atmosphäre, in der Vances Stimme – rau, heiser, manchmal regelrecht predigend – ihre ganze erzählerische Kraft entfalten kann.
Wie diese Zusammenarbeit im Detail aussah, kann man übrigens der rund zwanzigminütigen Doku „Sketches of The Wake“ entnehmen. (Hier geht’s zu YouTube.) Der Film zeigt Vance, Johns ubd einige Musiker bei der Arbeit an frühen Songskizzen, bei Gesprächen über Arrangements und beim langsamen Herausarbeiten der endgültigen Fassungen. Die Kamera bleibt dabei nah an den Musikern und macht sichtbar, was später auch auf der Platte zu hören ist: die Entstehung eines Album, das auf Vertrauen beruht.
Dessen Opener „A.I.“ fordert uns als eine groteske Reaktion auf die Angst vor künstlicher Intelligenz gleich neun Minuten lang mit einer Mischung aus Gospel, Blues und fiebriger Predigt. Anschließend öffnen die autobiografische Vorab-Single „Hi, I’m The Preacher’s Son“ und „I Think I Preferred The Question“ aber das Feld für ein Album, dessen Songs im besten Sinne reduziert klingen und die dennoch eine einnehmende Wärme verbindet. Vorgetragen mit der Stimme eines Mannes, der offensichtlich Prozesse durchlaufen hat. Die bittersüße Ballade „We Almost Made It“ und das fragile „Call Me Anytime“ zeigen Vance von seiner einfühlsamen Seite, während uns der aufgewühlte Blues von „I Ain’t Sold On Time“ oder das klaviergetragene „Money“ geradewegs in die Südstaaten entführen. Seinen Abschluss findet „The Wake“ sicher nicht zufällig in dem kurzen, vor überbordender Positivität strotzenden „Bathed In Light“.
Zugegeben: „The Wake“ hatte mich als Ganzes nicht gleich mit dem ersten Durchlauf. Und auch nicht mit dem zweiten. Je mehr ich mich allerdings mit seiner Entstehung beschäftigte, desto mehr öffnete sich mir der Künstler Foy Vance – und umso zugänglicher wurde mir das gesamte Album. Ein bereichernder Umweg, der angesichts der vielen starken Songs aber vielleicht gar nicht notwendig ist. Songs wie „Hi, I’m The Preacher’s Son“, „We Almost Had It“ oder „Call Me Anytime“ funktionieren für Freunde von Playlists auch ganz wunderbar einfach für sich.

Künstler: Foy Vance
Album: The Wake
VÖ: 13.03.2026
Label: Concord Records
