Nick Cave & The Bad Seeds – Bonn, Kunstrasen (25.08.2026)
Gemeinsam mit seiner glänzend aufgelegten Band The Bad Seeds sät der australische Großmeister der Melancholie Nick Cave auf dem mit 10.000 Menschen vollgepackten Bonner Kunstrasen seine unwiderstehliche Mischung aus Art-Rock, Post Punk und Dark Wave aus – garniert mit einer gehörigen Portion Liebe und Lebensfreude.

Sein gut zweieinhalbstündiges Set in der Rheinaue startet er passend dazu mit bis zum Anschlag durchgetretenen Gaspedal und „Get Ready For Love“. Um sich bereits nur wenige Momente später zum ersten Mal an diesem Spätsommerabend aufrechtstehend auf den Händen seiner Bonner Fans tragen zu lassen – bemerkenswert für einen Schlaks wie ihn.
Sympathisch und zugewandt
Nick Caves Lieder erzählen von Sehnsucht, Schmerz, Trauer, Verlangen und Schuld, aber vor allem seit jüngerer Vergangenheit auch von Hoffnung und Lebensfreude. Letzteres ist umso schöner, wenn man um die familiären Schicksalsschläge weiß, die dieser Mann zu ertragen hatte.
Bei alldem zeigt sich der ehemalige Sänger der Post-Punk-Legenden The Birthday Party so sympathisch und menschlich nah, wie ich es in dieser Form ehrlich gesagt kaum erwartet habe. Sein Publikum erwidert diese authentische Zugewandtheit seinerseits mit hingebungsvollen Gesten – und reicht ihm unter anderem einen halben Meter großen Plüsch-Koala, den Cave schmunzelnd für den Rest seiner Show neben einen der Bühnenmonitore platziert.

Eine einzige Wucht
Die neunzehn Tracks umfassende Setlist, mit Stücken aus nahezu allen fünf Jahrzehnten seiner Karriere, ist eine einzige Wucht – klug kuratiert and with no weak spot. Standouts sind „Train Long-Suffering“ („Den Song habe ich in Berlin geschrieben“), das pulsierende „Tupelo“, „Joy“ (einziges Lied aus dem aktuellen 2024er-Album „Wild God“) sowie das in der Original-Studioversion von 1996 mit der großartigen PJ Harvey und heute samt Unterstützung von Janet Reynolds aus dem Backgroundchor umwerfend gesungene „Henry Lee“. Stimmungsvoll gekrönt vom mitreißenden Concert-Closer „Into My Arms“, von Nick Cave ganz allein am Piano performt und von 10.000 glückseligen Kunstrasen-Kehlen begleitet. Was für ein berührender, unterhaltsamer Abend und bezaubernder Abschluss meiner persönlichen Musik-Openairsaison.
Concert Images by Sven Klein
Setlist
Get Ready For Love
From Her To Eternity
Train Long-Suffering
O Children
Tupelo
Carnage
Joy
Rings Of Saturn
Bright Horses
Henry Lee
The Mercy Seat
Papa Won’t Leave You, Henry
Red Right Hand
The Weeping Song
Jubilee Street
Hollywood
City Of Refuge
Cinnamon Horses
Into My Arms
