Weezer – Weezer (Gold Album)
Ihr jüngster, abermals selbstbetitelter Release aka „Gold Album“ wird gewiss nicht der finale Weezer-Longplayer sein, fühlt sich dennoch passenderweise wie eine Krönung der nun über dreißigjährigen Karriere der südkalifornischen Alternative-Rocker an.
Weezer sind eine der wenigen Bands, deren komplette Diskografie ich mir schon mindestens einmal komplett einverleibt habe. Deshalb kann ich auch sagen, dass Frontmann Rivers Cuomo und seine Jungs alles Mögliche an Qualität auf einer Platte abliefern können. Das Level reicht dabei von den „Besten Alben aller Zeiten“ bis hin zu „Am liebsten würd ich’s wieder vergessen“. Und auch von der musikalischen Bandbreite lassen sich Weezer – vor allem in jüngerer Vergangenheit – nicht gerade gefangen halten. Mal tobt die Band sich mit Streicher- Arrangements gefülltem Chamber Pop aus („OK Human“), huldigt dann plötzlich dem Dad Rock/Metal der Kindheit („Van Weezer“), nur um dann doch wieder folkige Lagerfeuerlieder zu singen („SZNZ Spring“).
Was aber nicht bedeuten soll, dass das Quartett den Fokus verloren hätte – tatsächlich mochte ich Weezer die letzten Jahre über ziemlich konstant. Dennoch war ich froh, als ich die drei Vorgeschmack-Singles des „Gold Album“ hörte. Klassischer noisy Alternative Rock mit ansteckenden Melodien ist einfach das, was den Südkaliforniern am allerbesten liegt.
Frischer Wind im Studio
Ebenfalls erfreuten und gleichermaßen überraschten mich die LP-Credits. Denn nicht nur Wednesday sind auf dem Album gefeatured, die perfekt zu diesem Sound passen, sondern der Longplayer wurde zudem von Klas Åhlund und Kenneth Blume produziert – Hip-Hop-Enthusiasten ist Letztgenannter besser bekannt als Kenny Beats. Dass der Mann nicht nur Trap-Beats für Denzel Curry aufkochen kann, hat er schon mit „Getting Killed“ von Geese bewiesen – eins der heißesten Indierock-Alben der Dekade – und auf Weezers neuestem Werk verpasst er dem Mix ebenfalls diesen warmen Old-School-Sound, der bloß nicht allzu poliert klingen soll.
Seit den SZNZ-EPs sind nun knapp vier Jahre vergangen, zudem ist die „Gold“-LP die erste der selbstbetitelten Weezer-Reihe – die das legendäre „Blue Album“ sowie die ebenfalls heißgeliebten „White“- und „Green“-Alben umfasst – nach sieben Jahren. Zur Folge der letzten zwei Ausgaben „Teal“ und „Black“ – Erstgenanntes ausschließlich mit Covern gefüllt und Letzteres ein eher missglückter Versuch an zeitgemäßem Pop – hätte man vermuten können, dass selbst Weezers-Platten-Farbnamensgebungen an Bedeutung verloren haben. Doch das „Gold Album“ macht diese Sorge nun zunichte.
Zurück zu den Wurzeln
Musikalisch gehen die Los Angelenos, wie seit Ewigkeiten von Fans gefordert, darauf zu ihren musikalischen Ursprüngen zurück und spielen ihren bandtypisch verzerrten und doch sonnigen Alternative Rock. Mein absoluter Lieblingstrack „We Might As Well Be Strangers“ handelt zwar von einer zerbrochenen Beziehung und ist möglicherweise auch eine entfernte Erzählung des nun lange verheirateten Cuomo, aber vielmehr passt der Songtext zu seiner Duett-Partnerin, Wednesday-Sängerin Karly Hartzman, die letztes Jahr nach der Trennung vom Bandkollegen MJ Lenderman gemeinsam mit ihm das Album „Bleeds“ im Studio aufgenommen hat. Wie oben erwähnt, schmiegt sich dieser crunchy Gitarrensound nahtlos um die Instrumente der Asheville Indie-Band – die natürlich wiederum von 90er-Musik wie der von Weezer beeinflusst ist.
Die dritte Single „C.E.O.“ vom „Gold Album“ ist ein spiritueller Nachfolger des Weezer-Klassikers „Undone“. Sie startet ebenso mit einem Arpeggio und einer Unterhaltung über eine bevorstehende Show, doch diesmal nicht aus der Audience-Perspektive, sondern der des Rockstars. „They just want the Classics“, ergibt sich Rivers, bevor er uns genau diesen Wunsch erfüllt.
Weezer bleiben dorky
„Hoops“, ein Lied über einen hochmodernen Toaster, der einen QR-Code benötigt, damit er überhaupt funktioniert, liest sich leider jedoch eher als etwas peinlich berührende lyrische Ausarbeitung und weniger als clevere Gesellschaftskritik. Ebenso befinden sich Zeilen wie „some people call me Rivers, but then they say I don‘t have any flow“ auf dem neuen Album – aber auch das gehört wohl einfach zu Weezer.
„Up In The Clouds“ gibt uns kurz vor Ende mit akustischer Gitarre noch einmal Zeit zum Durchatmen. Ursprünglich wurde dieser Song schon zu Zeiten von „Everything Will Be Alright In The End“ um 2014 herum geschrieben beziehungsweise eine frühe Version des Tracks namens „East Coast or West Coast“ bereits im Jahr 2006 – und hat es jetzt erstmals auf einen offiziellen Release geschafft.
Großartiges Spätwerk
Nach mehreren Hörrunden bin ich mehr als zufrieden mit diesem Spätwerk und kann es nicht nur Fans des südkalifornischen Alternative-Outfits, sondern jedem Rock-Liebhaber ans Herz legen, sich noch einmal von den Qualitäten der Band überzeugen zu lassen.
Zudem wurde schon eine Europatournee für nächstes Jahr mit Taking Back Sunday im Gepäck angekündigt. Leider zwar ohne Show in Deutschland, aber nichtsdestotrotz eine Überlegung wert, dafür zu verreisen – etwa nach Holland, wo Cuomo und Co. einen Stopp in Amsterdam einlegen.

Cover Artwork Insta: @warnerrecords
Artist: Weezer
Album: Weezer (Gold Album)
VÖ: 21.08.2026
Label: Warner Records
