Pulp – Köln, Palladium (29.06.2026)
Sheffields Indie-Artpop-Ikonen Pulp besuchen nach über dreißig Jahren mal wieder die Kölner Domstadt. Im Gepäck: Ihre 2025er-Comeback-Schallpatte „More“ und zwei karriereumspannende Sets gespickt mit True Gems, Deep Cuts und Superhits. Episch!
Pulps Lieder, geschrieben und aufgeführt von und für die Missverstandenen und Ausgegrenzten, heute 4.000 von ihnen an der Zahl im hoffnungslos ausverkauften und schweißtreibenden Palladium, handeln von Verlust und Verlangen, Leidenschaft und Liebe, Angst und Versagen. Verpackt in große Melodien, dargereicht als Sozialdramen – so mitreißend zeitlos, dass sie halt nicht nur meine Generation und die meines Music-Mates Axel begeistern, sondern auch die unserer mittlerweile erwachsenen Söhne, von denen zwei heute Abend gemeinsam mit uns in Bühnennähe stehen. Toll.

Fahr’n auf der Autobahn
Gute zwei Stunden lang erzählt das 1978 gegründete britische Quartett aus dem ehemaligen Zentrum der Stahlindustrie um Frontmann Jarvis Cocker, Keyboarderin Candida Doyle, Nicholas Banks (Schlagzeug) und Gitarrist Mark Webber dem kölschen Publikum musikalisch seine unterhaltsamen Geschichten. Seit ihrer Rückkehr verstärkt von Emma Smith, Andrew McKinney, Adam Betts, Jason Buckle und Richard Jones.
Und die Setlist des heutigen Abends lässt wahrlich nichts zu wünschen übrig: Die neuen „More“-Tracks, von der Band als Karriere-Zugabe deklariert, wie „Spike Island“, „Farmers Market“, „Got To Have Love“ (Pulps musikalische Hommage an die Szene ihrer Heimatstadt, aus der weitere Indie-Ikonen wie Cabaret Voltaire und The Human League stammen) und „A Sunset“ werden ergänzt um die Pulp-Banger „Disco 2000“, „Mis-Shapes“, „Babies“ und natürlich den Signature-Superhit „Common People“, der ein Snippet von Kraftwerks „Autobahn“ enthält.

„Monday Morning“ – weil Montag ist
Garniert mit echten Songperlen wie „Acrylic Afternoons“, „The Fear“, „Pencil Skirt“ (vom Publikum via Screamometer im Duell gegen „Don’t You Want Me Anymore“ in der viertelstündigen Show-Pause gepickt) sowie dem umwerfenden und laut Sänger Cocker „for a very long time“ nicht mehr performten „Monday Morning“, das spontan ins Set genommen wurde – weil es nunmal Montag ist. Ähnlich, wie es The Cure früher mal mit dem Live-Spielen von „Friday, I’m In Love“ hielten.
Auch zwischen den Tracks ist es ein sehr kommunikativer Abend: Jarvis Cocker drückt in vielen Anekdoten seine Wertschätzung für die Fans hierzulande und ihre Heimat aus, vor dem berührenden, zu Beginn der zweiten Konzerthälfte akustisch vorgetragenen „Something Changed“ in einer ausgedehnten Ansprache sogar auf Deutsch. So erfährt das Auditorium beispielsweise, dass das Pulp-Mastermind seine allererste Gitarre, die gerade um seinen Hals hinge, im Alter von zwölf Jahren zu Weihnachten geschenkt bekam – vom damaligen Hamburger Lebensgefährten seiner Mutter.

Kölsche Ehrerbietung
Die kölsche Crowd gibt die Zuneigung ihrerseits an ihn und seine bestens aufgelegte Combo zurück, in dem es auf dem Indie-Dancefloor des Palladiums klatscht, kreischt, tanzt und hüpft. Und mit einem ganz besonderen Geschenk an Drummer Nick Banks, einem ausgewiesenen Fußballfan, der ein Original-Spielerjersey des hiesigen Bundesligisten mit dem Geißbock auf dem Herzen überreicht bekommt, worüber sich der Pulp-Schlagzeuger sichtlich freut. Mehr an Ehrerbietung geht in der Dreikönigsstadt dann wirklich nicht. Welch wunderbarer Abend – weitere Zugabe unbedingt erwünscht!

Concert Images by Sven Klein
