They Might Be Giants – The World Is To Dig
Selten klingt Pop so verspielt klug wie im Kosmos des mehrfach Grammy-prämierten Duos They Might Be Giants. Auch auf „The World Is to Dig“, ihrem bereits 24. Album, zeigen sich die beiden New Yorker hellwach, kreativ und mit beneidenswert schrägem Kompass.
Bereits seit Mitte der 1980er navigieren John Linnell und John Flansburgh durch die Popgeschichte, als wäre sie das reinste Baukastensystem. Früh zwischen College Rock, Nerd-Pop und Avantgarde verortet, haben sich die Jungs aus Brooklyn doch zu keiner Zeit ihrer Laufbahn wirklich festlegen lassen: Drum Machine traf auf Akkordeon, Kinderlied auf Konzeptkunst. Während andere Bands sich stilistisch konsolidierten, haben They Might Be Giants das konzipierte Abschweifen perfektioniert. Ihr Einfluss reicht heute von Qualitäts-Pop bis Geek-Kultur, und in der Schar der Verehrer stehen Indie-Größen wie David Byrne von den Talking Heads, Frank Black von den Pixies („They would jump genres in two seconds. A lot of humor and not ‘cool’.“) oder Steven Page von den famosen Barenaked Ladies („They Might Be Giants records are awesome. They’ve set the bar for me.“) Schulter an Schulter.

Seit 1982 als They Might Be Giants aktiv: John Flansburgh (li.) und John Linnell (Foto: Shervin Lainez)
„The World Is to Dig“, reiht sich als aktueller Longplayer nahtlos in die schillernde Diskografie des Duos. Und die erprobte Arbeitsweise – getrennt entwickelte Skizzen werden im gemeinsamen Austausch erst „they-might-be-giantisiert“ – prägt auch den Sound des neuen Releases: ein lebendiges Pingpong aus Einfällen, für die man die beiden seit jeher liebt. Und doch gelingt es Co-Produzent Patrick Dillett, selbst die wildesten Ideen diesmal mehr denn je in eine harmonische Form zu gießen. „The World Is to Dig“ präsentiert sich als kreativer Flickenteppich und homogene Einheit zugleich.
Der Opener „Back in Los Angeles“ gibt mit seiner surrealen Textlogik und den Streicherfarben gleich den Ton vor: leicht schräg, aber beeindruckend präzise gebaut. Und auch die Vorab-Single „Wu-Tang“ ist so ein typischer TMBG-Moment: ein augenzwinkernder Konzeptwitz, der sich beinahe unbemerkt zum erstaunlich warmherzigen Popsong entwickelt. Das ganze Album lebt von solchen Kontrasten. „Outside Brain“ rumpelt mit kantigen Gitarren, während „Slow“ sich behutsam nach oben tastet; ganz so als würde es seine eigene kleine Theorie beweisen wollen. „Je N’en Ai Pas“ wiederum zeigt Linnell als französischen Post-Punk-Dadaisten – und macht daraus einen der direktesten Tracks der Platte. Und zwischen all dem blitzen immer wieder diese herrlichen 60s-Harmonien auf, die alles erden.
Kurze Songs, präzise Pointen, Ideen im Überfluss: „The World Is to Dig“ ist kein Spätwerk, sondern schlicht das aktuelle Album einer Band, die längst nichts mehr beweisen muss – und vielleicht gerade deshalb mit maximaler Gelassenheit aufspielt: „Wir laufen nicht Gefahr, über Nacht berühmt zu werden – „, lacht John Linnell „diese Nacht dauert bei uns schon 40 Jahre an. Wir machen das vor allem für uns selbst. Wir wollten die Art von Album machen, die wir selbst hören würden.“ Und exakt so klingt „The World Is to Dig“.

Band: They Might Be Giants
Album: The World Is To Dig
VÖ: 17.04.2026
Label: Idlewild Recordings
