We Are Scientists – Köln, Luxor (13.04.2026)
Die New Yorker Indie-Sleaze-Veteranen We Are Scientists sind zum 20-jährigen Jubiläum ihres Debütalbums „With Love And Squalor“ auf Welttournee mit drei Konzertstopps in Deutschland, wo sie nach eigener, launiger Vermutung zum „gefühlt zwanzigsten Mal“ im Kölner Luxor auftreten – und sie dürfen jederzeit gern wiederkommen!
Ich wäre wahrscheinlich gar nicht auf eine We-Are-Scientists-Show gegangen, wenn es sich nicht um diesen Jubiläums-Gig gehandelt hätte. Ihr letztes Album „Qualifying Miles“ (hier geht’s zu Lasses Plattenbesprechung) aus dem Jahr 2025 ist ehrlicherweise komplett an mir vorbeigegangen und somit befand ich mich auch im Unwissen darüber, ob die Jungs in ihren späten Vierzigern noch eine mitreißende Show abliefern können. Schlussendlich beschloss ich aber, ihnen eine Chance zu geben – eine schlaue Entscheidung.
New Yorker Indie-Support
Um 20 Uhr 15 startet der Support Sean McVerry mit Unterstützung von We-Are-Scientists-Drummer Keith Carne sein dreißigminütiges New-York-Indie-Pop-Set. Seine von cleanen Pianotönen untermalte, weiche Stimme bietet einen zuckersüßen Vorgeschmack auf das, was folgt.
Der Sound und das Licht lassen ebenfalls nichts zu wünschen übrig, was bei solchen Konzertgrößen ja durchaus nicht die Regel ist. Und auch Sean holt dann und wann die Gitarre raus und jagt ein gutes Stück musikalische Energie in die bestens aufgelegte Kölner Crowd – wozu ihn übrigens auch der Hauptact des heutigen Abends zum letzten Drittel seines Sets mit auf die Stage einlädt.
Viel Spielfreude und Energie
Die We-Are-Scientists-Gründungsmitglieder Keith Murray (Gitarre, Leadgesang) und Chris Cain (Bass, Gesang) betreten kurz nach 21 Uhr gemeinsam mit dem seit 2013 zur Band gehörenden Drummer Keith Carne die überschaubare Bühne des Luxors und verwandeln den harten Fliesenboden des Domstadt-Kultclubs für gute neunzig Minuten in eine Tanzfläche für jeden der 450 Fans. Bei so viel Spielfreude und Energie kann man die eigenen Rückenschmerzen dann gut und gerne auch mal vorübergehend ausblenden.
Zur Feier des Debüt-Longplayers wird die gesamte Tracklist von vorn bis hinten gespielt, die jedoch – das muss man fairerweise sagen – nur rund vierzig Minuten lang ist. Ihr mit Abstand größter Song „Nobody Move, Nobody Get Hurt“ ist deshalb heute nicht wie sonst üblich der Closer des Abends, sondern der Opener ihres Sets.

Six … teen Kölsch!
Allerdings läge man falsch, wenn man denkt, dass dies der Konzertdynamik schaden würde. We Are Scientists liefern einen Hit nach dem anderen ab wie „It’s A Hit“, „The Great Escape“ sowie „This Scene Is Dead“ – und dann, nach einer guten halben Konzertstunde, läuft Sänger Keith Murray während „Textbook“ mit Kölsch in der Hand auch mal mitten durch die feiernde Crowd in die Arme der Fans und lässt sie ins Mikro singen.
Nach Ende des Songs gibt er dann auch lachend zu, wie viele Gläser er heute mutmaßlich bereits getrunken hat: „I probably had six … teen!“ Aber auch das mindert seine großartige Performance und die seiner Band ganz und gar nicht, sondern lässt sie zu einem einzigartigen, unvergesslichen Abend für alle Beteiligten werden.
Jetzt gleich stehen die im Jahr 1999 in Kalifornien gegründten We Are Scientists im Hamburger Mojo Club auf der Bühne – und in zehn Tagen spielen sie dann im Berliner Lido. Wer noch die Chance hat, Tickets zu ergattern, dem lege ich ans Herz, unbedingt hinzugehen. Ich werde jetzt erstmal ihr aktuelles Album auflegen und mir in aller Ruhe anhören.

all concert images by Matti Klein
Setlist
Nobody Move, Nobody Get Hurt
This Scene Is Dead
Inaction
Can’t Lose
Callbacks
Cash Cow
It’s A Hit
The Great Escape
Textbook
Lousy Reputation
Worth The Wait
What’s The Word
Buckle
Please Don’t Say It
Rules Don’t Stop
I Cut My Own Hair
The Big One
Dumb Luck
I Could Do Much Worse
Less From You
What You Want Is Gone
After Hours
