Postcards – Ripe
Vier Jahre nach ihrem letzten Album „After the Fire, Before the End“ veröffentlicht das libanesische Trio Postcards ein neues Album. „Ripe“ wirkt dabei rauer, dunkler und direkter als der Vorgänger.
Die Band um Sängerin und Gitarristin Julia Sabras hatte schon immer ein feines Gespür für die Gesamtsituation in Ihrer Heimat. Da dürfte es nur eine logische Konsequenz sein, dass sich die verhärteten Fronten in ihrer Heimatregion irgendwann auch auf das musikalische Schaffen der Band auswirkt.
Dabei beginnt das Album eigentlich eher zuckersüß. „I Stand Corrected“ erinnert an die wohligen 1990er-Jahre, in denen Shoegaze auch von Bands wie Lush einem breiteren Publikum schmackhaft gemacht wurde. Was für ein toller Start. Die Schwere, die sich im Anschluss auf dem Album breit macht, werden im Opener zwar schon angedeutet, aber bereits die darauffolgende Single „Dust Bunnies“ und das etwas später folgende „Wasteland Rose“ zeigen dann doch, wie vertonte Verzweiflung klingen kann.
Das sphärische „Colorblind“ fängt dann später die Livequalitäten der Band ein. Kein Wunder, wurde ein Großteil des Albums live im Haus der Familie vom Schlagzeuger Pascal Semerdjian in den libanesischen Bergen aufgenommen. „Ripe“ fängt die Band im selben Raum ein, und bringt die Energie und Dringlichkeit ihrer Live‐Shows ins Studio. Für mich eine der großen Stärken des Albums. Denn auch wenn die Schwere des Albums nicht zwingend zum beginnenden Frühling passen mag, die hier aufgebauten Klangwelten können überzeugen – so wie diese Band auf ihren Konzerten stets zu überzeugen weiß. Am Ende steht mit „Dark Blue“ ein weiterer etwas entspannterer Song, der noch am ehesten an die alten Alben der Band erinnert und einen ganz wundervollen Schlusspunkt setzt.
Band: Postcards
Album: Ripe
Label: t3 records
VÖ: 28.03.2025