Citizen – Kantine, Köln (03.11.2026)

Vor Kraft strotzende Indierock-Songs und mit „Youth“ ein Debütalbum, das noch immer ein Magnum Opus der neueren Emo-Generation ist: Citizen aus Toledo, Ohio beschenken Köln mit roher Emotion und adeln ihren Auftritt selbst als „eine unserer liebsten Shows auf der gesamten Tour“.

Sänger Matthew „Mat“ Kerekes steigt um 21 Uhr 15 auf die Bühne des Kulturbetriebs Kantine im Norden der Domstadt und signalisiert sogleich, dass jeder der gut 800 angereisten Fans sofort ins Pit einsteigen soll. Dann geht es mit „Good Fortune“ direkt los mit einem Song aus dem neuen Album „Halcyon Blues“, das im August dieses Jahres erschienen ist.

Ganz andere Energie als im Studio
Da draußen vor dem Club eisige Temperaturen herrschten, entscheide ich mich dagegen, meinen Zipper an der Garderobe abzugeben. Schnell muss ich mir den Fehler jedoch eingestehen, denn bei dem Elan der Crowd heizt sich die Venue im Schnelldurchgang auf.

Zwei weitere neue Tracks folgen, und ganz anders als auf den Studioaufnahmen klingt hier alles wieder mehr nach Citizens Punk-Wurzeln als nach dem poppigen Alternative-/Indie-Rock, den die Band in jüngerer Zeit immer mal wieder verfolgt hat. Sowieso ist die aktuelle LP in den letzten Wochen mehr und mehr in meiner Jahresliste nach oben gerückt, doch die Live-Versionen geben dem ganzen hier den gewissen Punch.

Debüt-LP „Youth“ stark auf Setlist präsent
Spätestens, als das erste Lied vom 2011er-Debüt „Youth“ beginnt, steigen alle unisono in den Gesang ein: „I watched you burn and I felt it“ – diese Zeile sorgt dafür, dass sich all meine Haare aufstellen und das Feuer in meinem Herzen aufleuchtet. Gleich sechs Songs und damit mehr als die Hälfte des Frühwerks schaffen es auf die heutige Setlist.

Ein Doppelpack an „Halcyon Blues“-Balladen lässt uns nochmal kurz durchatmen und verschafft etwas Zeit, uns mental zu sammeln, bevor „Roam The Room“, „Sleep“ und „How Does It Feel?“ aus „Youth“ durch die Halle dröhnen und die Crowd davon gepackt mitschreit. Es ist immer wieder erstaunlich, wie Lieder, die dermaßen hoffnungslos klingen, Menschen so miteinander verbinden können.

Nach noch mehr Pogo, Stagedive und schier endloser Energie hüpfen Citizen von der Bühne, bevor sie unter „One More Song“-Rufen natürlich noch ihr niedergeschlagenes Meisterwerk „The Night I Drove Alone“ performen. Und wenn vorher noch nicht alle mitgesungen haben, dann jetzt wirklich jede(r) einzelne.

Concert Image by Matti Klein

Setlist
Good Fortune
I Can See You From Here
Is It In My Brain?
I Want to Kill You
The Summer
Sick And Impatient
Halcyon Blues
Always The Last One To Leave
Numb Yourself
Roam The Room
Sleep
How Does It Feel?
Matador
Either Way
Ring Of Chain
Death Dance Approximately
Highs And Lows
The Night I Drove Alone