Brian Fallon – Not Bad For New Jersey

Brian Fallon hat offenbar beschlossen, sich nicht länger selbst im Weg zu stehen. „Not Bad For New Jersey“ ist groß, laut und ungeniert Achtziger. Und es klingt als habe sein Schöpfer gerade verdammt viel Spaß an einer neuen Art des Musikmachens.

Zum ersten Mal hat Fallon die Tür beim Schreiben weit aufgemacht. Eine Selbstverständlichkeit für viele Popmusiker, für ihn lange undenkbar. Erst der Blick auf die vielen Credits im Kleingedruckten eigener Lieblingsplatten brachte ihn ins Grübeln – und schließlich mit Leuten wie Donovan Woods, Lori McKenna oder Brandon Flowers an einen Tisch. Mit Letzterem entstand so das getragene „Love At The End Of The World“, das auf Flowers’ Anregung sogar ganz ohne Refrain auskommt. Fallon selbst spricht von einer Phase neuer Kreativität, und passend dazu meint man den Songs auf seinem dritten Solo-Album tatsächlich eine regelrechte Erleichterung anzuhören.

„Not Bad For New Jersey“ wirkt herrlich unangestrengt. Wo „Local Honey“ 2020 noch nach innen blickte und große Gesten konsequent vermied, stehen die Räume diesmal auch hierfür sperrangelweit offen. Produzent Butch Walker, schon beim Solodebüt „Painkillers“ an Fallons Seite, lässt Gitarren glänzen und Drums knallen – ein Großteil der Songs wurde live eingespielt. Bryan Adams’ „Reckless“ war dabei erklärter Fixpunkt, auch Tom Petty oder The Police stehen irgendwo Pate. Und Fallon macht keinerlei Anstalten, diese Vorlieben mit Ironie oder Distinktion abzufedern. Warum auch? Große Melodien sind schließlich nicht automatisch weniger wert, nur weil man sie nach dem zweiten Refrain mitsingen kann.

Dass dabei auch The Gaslight Anthem immer wieder durchschimmern, liegt in der Natur der Sache. Die Erwartung aber, Brian Fallon müsse solo unbedingt anders klingen als seine Band, kann abgelegt werden. Fallon muss nicht mehr beweisen, dass er auch ohne seine Band kann. Und auf die Rolle als stiller Singer-Songwriter, die er auf „Local Honey“ so überzeugend angenommen hatte, muss er sich deshalb auch nicht zurückziehen. Er muss offenbar noch nicht einmal mehr selbst leiden, um glaubwürdig von Menschen erzählen zu können, denen das Leben in die Quere kommt. Die alten Fallon-Themen – Herkunft, Außenseitertum, Zweifel, Persistenz – sind weiterhin da. Und so überzeugend wie eh und je. 

Sein drittes Solo-Album ist die Platte, auf der Fallon mehr Menschen denn je in seinen Kosmos lässt, und sie ist dennoch eine äußerst persönliche geworden. Gar nicht mal, weil Fallon besonders tief in sich hineinschaut, sondern weil er immer weniger versteckt, was ihn ausmacht: Punk und Heartland Rock, Achtziger-Radio, große Refrains und kleine kaputte Geschichten. Not bad for New Jersey? Ziemlich gut sogar.

Artist: Brian Fallon
Album: Not Bad For New Jersey
VÖ: 11.09.2026
Label: Lesser Known Records