Brigitte Calls Me Baby – Köln, Gebäude 9 (22.09.2026)
Chicagos Janglerock-Hoffnung Brigitte Calls Me Baby beenden im heimeligen Kölner Club Gebäude 9 ihren bereits zweiten Deutschland-Ausflug in diesem Jahr mit einem entrückenden 19-Track-Set, das bei den anwesenden 600 Fans gewiss noch für lange Zeit nachhallen wird.
Denn die junge Band aus den Vereinigten Staaten macht von Konzertbeginn an klar, dass sie Bock auf die Domstadt hat – und die in Teilen erfreulicherweise ebenfalls junge Crowd tut es den fünf Musikern gleich.

Stimme aus Samt
Für gute achtzig Minuten gibt sie sich Brigitte Calls Me Babys charismatischem Frontmann Wes Leavins hin – der mit seiner irgendwo zwischen Elvis Presley, Steven Morrissey sowie Roy Orbison angesiedelten, samtigen Stimme und seinen melodischen Liebesliedern sämtliche Fanherzen dahinschmelzen lässt. Sogar ein authentisches Lächeln huscht dem ansonsten so auf seine Rolle als verträumt-melancholischer Leader-of-the-Pack bedachten, begnadeten Sänger dann und wann übers Gesicht. Sympathisch.
Bemerkenswert ist bei alldem die Entwicklung in der Bühnen-Performance des Chicagoer Alternative-Quintetts: Innerhalb eines Jahres hatte ich das Vergnügen, die Gruppe beginnend mit ihrer allerersten deutschen Headliner-Show überhaupt in Berlin live zu erleben. Und mit dem heutigen Abend ist sie schlichtweg zu einer regelrechten musikalischen Macht gereift – es scheint, als hätte jedes Bandmitglied seine Arbeit on Stage perfektioniert und gemeinsam ließen sie dies nun ineinanderfließen zu einem einzigen harmonisch-künstlerischen Strom.

Neue Dämonen
Auf der Setlist stehen gleich neun Lieder ihres aktuellen formidablen Albums „Irreversible“ (hier geht’s zu meiner Plattenbesprechung) wie „Slumber Party“, „I Danced With Another Love In My Dream“, „The Pit“, „These Acts Of Which We’re Designed“, „The Early Days Of Love“ und „Send Those Memories“. Fünf Tracks stammen von Brigitte Calls Me Babys gefeiertem Debütalbum „The Future Is Our Way Out“ – unter anderen der brillante Titelsong, „I Wanna Die In The Suburbs“ und „We Were Never Alive“.
Als besonderes Bonbon spielt die Chicagoer Five-Piece-Formation in Kölle gleich drei brandneue Stücke, zwei davon noch unreleased wie „How To Ignore A Feeling“ sowie ihre erst vor wenigen Tagen veröffentlichte Single „Geordie“ als Opener des vier Songs starken Zugabenblocks. Auf diesem Track erhalten gefühlt erstmals die Dämonen, die seit jeher in Brigitte Calls Me Babys Lyrics stecken, auch Einzug in die Musik – und diese Vibe-Variante steht den jungen Herren besonders gut.

Show wie ein Statement
Nachdem die Chicagoer Jungs ihren Auftritt, der einem Statement an die Zukunft der Indiemusic gleichkommt, mit dem Cover des The-Strokes-Signature-Songs „Is This It“ und dem umwerfenden „Impressively Average“ beenden, gibt es endgültig kein Halten mehr im glückseligen kölschen Auditorium. „Thank you, we hope to come back very soon“, richtet ein sichtlich zufriedener Wes Leavins Worte des Abschieds an seine Fans, bevor er mit seinen vier Mitstreitern von der Bühne durch die Venue-Seitentür in die angenehm kühle Dunkelheit verschwindet. Ja – das hoffen wir auch.
Concert Images by Sven Klein
