Paul Cauthen – The Book Of Paul

Er gibt seinem fünften Solo-Album den biblischen Titel „The Book Of Paul“ – und auch sonst zeigt sich der Country-Cowboy Cauthen hier so selbstbewusst, als habe ihm Gott höchstselbst den Stift gereicht: flamboyant, monumental – und ohne den Hauch einer Verpflichtung gegenüber Genregrenzen und Traditionen.

Paul Cauthen, der Mann mit dem Sound eines bourbonbetankten V8-Motors, hat sich seinen Weg vom Duo-Projekt Sons of Fathers (2010-2014) zum schillernden Solo-Prediger über die Jahre hart erspielt. Spätestens seit „My Gospel“ (2016) und „Room 41“ (2019) ist klar: Hier betet niemand klassischen Country runter; hier wird er zelebriert – mit Gospel-Power, Rock’n’Roll-Pose und einem Hang zur theatralischen Überhöhung. Pauls Spitzname „Big Velvet“ ist dabei bar jeder Ironie, er ist sein Markenversprechen. Weich im Sound und gleichzeitig von der Präsenz eines Texas Longhorns hat Paul Cauthen seinen ganz eigenen Entertainment-Hybriden erschaffen.

„Big Velvet“ aka Paul Cauthen. (Foto: Asher Moss)

Mit „The Book Of Paul“ treibt er dieses Selbstbild nun auf die Spitze. Produziert von einem breit aufgestellten Team um Ryan Tyndell, Steve Rusch und Sam Martinez, ist das Album ein ungezähmter Mix aus staubigem Country, strassbesetztem Rock und einer satten Dosis Las Vegas – aber auch die Inbrunst des Soul, die Schwere des Blues und sogar die Dringlichkeit des Funk finden sich mitunter in dieser wilden Mischung. Die Songs schrieb Cauthen selbst, und er übernahm auch Bass und Drums – ganz dieser „Mach ich lieber selbst“-Attitüde entsprechend, die hier kontinuierlich zwischen Authentizität und Ego-Trip hin und her pendelt.

Der galoppierende Titletrack „The Book Of Paul“ eröffnet musikalisch und thematisch passend das 40-minütige Evangelium dieses Lonesome Cowboy. Die Vorab-Single „Texas Swagger“ stolziert anschließend protzend durch die Prärie – gefährlich, groovig und gleichermaßen größenwahnsinnig. „Bayou By You“ schmiegt sich als schwüler Southern-Lover an, während „Road Dog“ nur als Reminiszenz an den Man in Black himself gedeutet werden kann und „Chain Smoking“, das Duett mit der Texanerin Delaney Ramsdell, den Hauptakteur von seiner gefühlvollsten Seite zeigt. In allen Facetten dieses Longplayers ziehen die Songs dabei ihre Kreise um so widersprüchliche Prinzipien wie Exzess und Erlösung, Glaube und Selbstbehauptung.

„The Book Of Paul“ ist eine paradoxe Parade in Staub und Pomp. Hier weiß jemand, was er kann. Und noch mehr, was er will. Cauthen scheint auch dann noch über den Dingen zu stehen, wenn sich hinter ihm schon die Apokalypse ankündigt. Das ist mitunter so dick aufgetragen wie BBQ-Sauce auf texanischem Brisket – aber eben auch verdammt unterhaltsam. Ein Album, so großspurig ist wie sein Titel, aber so mitreißend, dass man zumindest eine Zeit lang auch den größten Größenwahn verzeiht.

Künstler: Paul Cauthen
Album: The Book Of Paul
VÖ: 03.04.2026
Label: Velvet Rose