Kraftklub – Düsseldorf, PSD-Dome (14.03.2026)

Ich kann mich nicht erinnern, wann mich zuletzt eine Band zu spontanen Superlativen veranlasst hat. Aber was Kraftklub im Düsseldorfer PSD Dome abgeliefert haben, hat mich dann doch nachhaltig beeindruckt.

Das fing eigentlich schon beim Einlass an. Die Schlange war lang, die Stimmung aber durchweg entspannt und gut. Die Vorfreude und auch die Zugewandtheit des Publikums waren spürbar. Davon profitierte in der Halle auch die Supportband Lovehead aus Österreich, die sich musikalisch stilsicher bei den 1990er-Jahren bedient und mir insgesamt ziemlich gut gefällt. Mit „Denkst Du an mich?“ gibt es in der Mitte des Sets sogar einen charmanten kleinen Indie-Hit.

Nach angenehm kurzer Umbaupause kommen Kraftklub unter großem Jubel der knapp 15.000 Zuschauer*innen auf die Bühne. Bereits beim Opener „Marlboro Mann“ wird die komplette Halle in Konfetti getaucht. Danach geht es mit einer Greatest-Hits-Setlist zwei Stunden lang weiter. Dabei fällt mir wieder auf, warum ich die Band schon immer mochte: Kraftklub haben die Hits, die Bühnenpräsenz und ein echtes Gespür für Wertschätzung. Dabei ist es egal, ob sie bei der Vorband mit Konfetti-Kanonen auf die Bühne stürmen und die drei Musikerinnen kurz aus dem Takt „schießen“ oder später selbst das Bad in der Menge suchen.


Bei „So schön“ kommen dann Blond auf die Bühne und sorgen für noch mehr Power, während ein paar Songs später auch Lovehead noch einmal zurückkehren, um „I Love It“ gemeinsam mit Kraftklub zu covern. Ich schaue mir das ganze Treiben auf und vor der Bühne mit zunehmender Begeisterung an – habe ich die Band doch zuletzt vor zehn Jahren live gesehen. Selten habe ich erlebt, wie man in einer Halle wie dem PSD Dome eine derart intime Atmosphäre erzeugen kann. Als dann bei „Schief in jedem Chor“ der gesamte Raum nicht aufhören will, den „Chor“ am Ende weiterzusingen, wirken auch Kraftklub ein Stück weit perplex – offenbar ist das „auf dieser Tour erst zum zweiten Mal so passiert“.

Mit „Randale“ wird danach noch einmal dezent die gesamte Halle zerlegt, was selbst von den Sitzplätzen aus beeindruckend aussieht. Zuvor hatte Sänger Felix Kummer mit einer sympathischen Ansage noch einmal betont, dass im Kraftklub-Universum kein Platz für Homophobie, Sexismus, Transfeindlichkeit und Nazis ist – eine Aussage, die heutzutage leider immer noch notwendig ist.

Am 03.07.2026 kommen Kraftklub noch einmal nach NRW und spielen ein Open Air im Hockeypark in Mönchengladbach. Und hier sei eine klare Empfehlung ausgesprochen: Besser kann man sein Publikum eigentlich nicht unterhalten. Stabil, wertschätzend und verdammt gut. Danke, Kraftklub – das habe ich tatsächlich nochmal gebraucht.