Toilet Rats – Black Cats

Seit einigen Jahren treibt Tommy Ratz unter dem Namen Toilet Rats sein Unwesen in der amerikanischen Indie-Elektro-Punk-Szene. Das neue Album „Black Cats“ ist ein wilder Berserker zwischen Pop, Electroclash und kontrolliertem Krawall – getragen von einem klaren politischen Bewusstsein.

Im Mittelpunkt stehen dabei die beiden Vorab-Singles „Heart Emoji MPLS“ und „Shimmy“. Ersterer ist ein fantastischer Liebesbrief an Minneapolis – jene Stadt, die seit Januar 2026 international für Proteste, Polizeigewalt und politische Spannungen steht, zugleich aber auch für Solidarität und gegenseitige Unterstützung. Tommy Ratz hat hier eine Hommage an all jene geschrieben, die sich gegenseitig geholfen haben, während ICE die Stadt terrorisierte. Gemeinsam mit Adam Goren (Atom and His Package), Andrew Cahak (Unstable Shapes) und weiteren Künstler*innen aus Minneapolis entstand ein formidabler Mitsing-Hit mit für Toilet Rats ungewohnt cleaner Gitarrenarbeit.

„Shimmy“ dagegen ist eine zurückgenommene Dance-Nummer irgendwo zwischen The Cure und den hierzulande sträflich unterschätzten Say Hi. „‚Shimmy‘ entstand, nachdem ich eine Krankheit und eine Operation überstanden hatte. Nach meiner Genesung wollte ich einfach mit meinen Freunden tanzen – auch wenn wir keine besonders guten Moves haben“, erklärt Ratz. „Letztlich ist es ein aufmunternder Ohrwurm darüber, nach seinen Freund*innen zu schauen, weil viele Menschen genau das auch für mich getan haben.“

Allein diese beiden Songs rechtfertigen eigentlich den Kauf des Albums. Gleichzeitig hat Tommy Ratz, der live durchaus auch im Bandformat auftritt, noch einige elektronische Brecher im Gepäck. Während „Darkness“ als düsterer Dark-Wave-Opener überzeugt, scheppern „I Was A Teenage Exorcist“ und „Crystal Lake (I Don’t Wanna Go To)“ herrlich oldschool aus den Boxen. Das muss man mögen – ergibt im Kosmos von Toilet aber absolut Sinn.

Pre-Order via Steadfast Records

„Auch wenn Black Cats seinen spielerischen Geist bewahrt“, erzählt Ratz weiter, „gibt es auf dem Album einige verletzliche Momente, die davon inspiriert sind, wie meine Community in entscheidenden Situationen füreinander da war – sei es beim Schutz unseres Viertels während staatlicher Gewalt oder ganz persönlich, als ich mit einer schweren Krankheit zu kämpfen hatte.“

Beeindruckend bleibt vor allem, wie mühelos Tommy Ratz auf „Black Cats“ zwischen den unterschiedlichsten Genres pendelt. „Utopia“ ist ein weiterer extrem tanzbarer Song, den so manche 1980er-Jahre-Band gern geschrieben hätte. Mit „I Wanna Live (Afterall)“ schimmern plötzlich The Wedding Present und früher Britpop durch. Auch hier überrascht wieder der Stilwechsel – und vor allem die Qualität des Songwritings. Was für eine Nummer, was für ein tolles und vielseitiges Album.

Band: Toilet Rats
Album: Black Cats
VÖ: 26.06.2026
Label: Steadfast Records/ Sweet Cheetah Records