The Jeremy Days – Köln, Yard Club (27./29.03.2026)
Hamburgs Janglepop-Darlings The Jeremy Days melden sich mit kompletter Kapelle zurück und spielen zum Abschluss ihrer „Beauty In Broken Tour 2026“ zwei hinreißende Shows vor insgesamt gut 400 Fans im schmucken Yard Club der Kölner Domstadt.
Was Sänger Dirk Darmstaedter offenbar überrascht – mit einem Zusatzgig habe er nicht unbedingt gerechnet, so der ob der Zuneigung der kölschen Music-Community doch sichtbar gerührte J’Days-Frontmann. Aber warum eigentlich nicht?

Dirk Darmstaedter
Fixstern am Indie-Himmel
Schließlich gilt doch: Form kommt und geht – Klasse aber bleibt. Und dass die Jeremy Days auch nahezu vier Jahrzehnte nach Bandgründung immer noch einer der Fixsterne am deutschen Indie-Himmel sind, stellen sie an beiden Yard-Club-Konzertabenden eindrücklich zur Schau. Dafür haben die J’Days ein besonderes Set an Stücken ihrer bewegten Band-History zusammengestellt.

Stefan Rager
Hits und Hidden Gems
Bestens aufgelegt präsentieren sie der kölschen Crowd Hits, Deep Cuts und ein paar Hidden Gems des facettenreichen Jeremy-Days-Katalogs, wobei der in New Jersey aufgewachsene Darmstaedter den Stage-Sound im Yard Club als „besten der Tournee“ bezeichnet: Von der tollen 2022er-Comeback-Platte „Beauty In Broken“ gibt es neben dem Titeltrack den Show-Opener „Breathe“, das berührende „For The Lovers“, „Blue New Year“ und das famose „The Deep Dark Night“ zu hören.

Stefan „Eddy“ Endrigkeit
Ihren gefeierten Signature-Song und MTV-Hit „Brand New Toy“ versteckt die aus der Hansestadt Hamburg stammende Band einfach mal früh an Position fünf der Setlist. „Girlfriend“ und „Nowhere’s Girl“ von „Speakeasy“ (1992) sind gern gesehene Überraschungen, ebenso „Step Right Up“ vom 1994er-Longplayer „Re-Invent Yourself“. Das dynamische „Virginia“ von der zweiten Platte „Circushead“ dreht den stilvollen kölschen Club gleich zu Konzertbeginn direkt mal auf links.

Louis Oberländer
Zeitlos schön
Sämtliche J’Days-Stücke sind angesiedelt irgendwo zwischen britischer Popmusik sowie amerikanischem Artrock und stecken voller eingängiger, kluger Melodien samt zeitloser Schönheit – und die meisten von ihnen sind im allerbesten Sinne überzogen mit einer wundervollen, melancholischen Patina, wie etwa „Starting To Pretend“ vom selbstbetitelten Debütalbum aus dem Jahr 1988.

Jörn Heilbut
Von diesem stammen auch „Julie Thru The Blinds“, die allererste J’Days-Single „Are You Inventive“ und „This World“, die damals wie heute vor jugendlichem Elan nur so strotzen. „The End“, Schlusstrack des Erstlingswerks und passenderweise Closer beider Kölner Gigs, kündigt Dirk Darmstaedter als „kind of a silly Song, but in a good Way“ an. Das Lied schließt den künstlerischen Kreis zu den Anfangstagen der Hamburger Indiehelden auf bezaubernde Weise.

Underground Pop Hero(es)
Atmosphärisch dicht und musikalisch gereift klingen die beiden Band-Darbietungen in der Domstadt: Schlagzeuger Stefan Rager und Bassist „Eddy“ Endrigkeit fein ausgeprägtes Takt- und Rhythmusgefühl geben dabei den Rahmen vor, der brillante Leadgitarrist Jörn Heilbut, laut Darmstaedter „der einzige musikalische Vollprofi in dieser Band“, setzt an den Saiten gekonnt krachende Akzente und der eigens für die Tour aus dem fernen Los Angeles eingeflogene Keyboarder Louis Oberländer sorgt an den Keyboards für eine mitunter gewaltige Synthie-Soundwall, die ihren Höhepunkt beim Intro von „Rome Wasn’t Built In A Day“, ebenso vom Debütalbum, findet.

Veredelt wird all dies von Dirk Darmstaedters Akustik-Gitarrenspiel und gefühlvollem Gesang. Der einst von der New York Times als „Germany’s Underground Pop Hero“ betitelte Tapete-Records-Co-Founder gibt zudem bei beiden Auftritten im Yard Club zahlreiche launige Anekdoten der Bandgeschichte zum Besten. „Vielen Dank, Köln“, verabschiedet sich der J’Days-Frontmann nach jeweils zweistündiger, schweißdurchtränkter Bühnen-Performance vom Publikum, „wir lieben diese Stadt einfach.“ Und sie liebt die Jeremy Days.

Fortsetzung folgt
Nach ihrer umjubelten Show stehen die nahbaren Musiker am Merchstand mit ihren treuen Fans, unter denen an beiden Abenden auch das eine oder andere jüngere Gesicht zu finden ist, um zu plaudern, Platten und T-Shirts zu signieren sowie Erinnerungsfotos zu schießen.
Und wer so wie ich einfach nie genug bekommt von einer der relevantesten deutschen Gitarrenpop-Bands, dem seien die intimen Jeremy-Days-Acoustic-Group-Konzerte ans Herz gelegt, die die sympathischen Hanseaten ab Herbst dieses Jahres unter anderem in ihre Heimat Hamburg, nach Schwerin und Anfang 2027 in die Bonner Harmonie führen.
All Concert Images by Sven Klein
