Komparse – Ich toaste meine Gedanken
Der umtriebige Kölner Komparse durchleuchtet auf seinem neuen Studioalbum Wut und Tanzbarkeit und zeigt mal wieder, dass sein Hirn ein magischer Ort ist.
Bodo von Zitzewitz ist in der Kölner Musikszene seit vielen Jahren eine umtriebige Konstante.
Wer ihn nicht von seinem Soloprojekt Komparse kennt, mag ihn zum Beispiel als Tourmusiker kennen, zuletzt etwa bei Honig und Meursault am Schlagzeug. Nebenbei dreht er auch noch Musikvideos für Bands wie Fortuna Ehrenfeld, Angelika Express, Neuser – und für sich selbst.
Als Komparse ist er seit 15 Jahren unterwegs, meist solo, aktuell aber auch gerne in einer Trio-Bandbesetzung. Nun also „Ich toaste meine Gedanken“, in DIY-Manier herausgebracht, mit Unterstützung von Luis Schwamm, der bereits bei den zuletzt veröffentlichten Outputs des Kölner Mützenenthusiasten dabei war.
Musikalisch bewegt sich das Ganze irgendwo zwischen Indietronics, Singer/Songwriter, Bossa Nova und Dadaismus – als hätten sich The Notwist, Helge Schneider, ClickClickDecker und Olli Schulz in einem Songwriting-Retreat zum Thema Schachtelsätze zur Gruppenarbeit getroffen.
„Ich wach halt auf am Morgen“ zeigt stellvertretend den wunderschönen Kontrast zwischen Bodos speziellem, krawalligem Humor und viel Verletzlichkeit – gerade der Gesang im Schlussteil kratzt da schon ein bisschen am Herzen. In der Stimmung springen wir zwischen Wut und Tanzbarkeit, Lebensbejahung und Melancholie hin und her. Und wie es im Leben eben so ist, sind die Ambivalenzen dazwischen eigentlich die Punkte, an denen es erst richtig interessant wird.
Aber Bodo wäre nicht Bodo, wenn er jegliche Gefühligkeit nicht mit absurden Momenten brechen würde, in denen man plötzlich in die wildesten Geschichten geworfen wird. Bösewicht Boss Nova (Schurkenlevel: Joachim Gerner) und Kommissar Leichtfuß, der nebenbei schon wieder wirklich jeden Fall löst, reißen das Rampenlicht an sich, ehe man weiß, wie einem geschieht. Der Ich-Erzähler jedenfalls ist in beiden Fällen unzufrieden mit seiner Rolle.
Dazwischen platziert er mit „Dackel und Wale“ eine wunderschön gewordene Song-Umarmung, die mit Akustikgitarre startet und am Ende mit einer notwistigen Orgel wunderbar aufgeht – und den Satz „Ich träumte von ‚Halt mal dein Maul grad‘“ fühlt man dieser Tage mehr denn je.
In all den Kontrasten ist das Ganze extrem stimmig, was sicher auch an Bodos auf beste Art eigenartiger Art des Erzählens liegt. Man findet sich immer wieder kopfschüttelnd bei dem Gedanken wieder, was sein Gehirn für ein magischer Ort sein muss – bis er einen passenderweise nach viel zu kurzen 22 Minuten mit Gedanken und Zitaten an Helmut Schmidt zurück in die schnöde Welt entlässt.
Live ist das Ganze übrigens auch eine große Freude. Praktischerweise ist Bodo momentan viel unterwegs – ob als Toursupport von Fortuna Ehrenfeld oder als „Main Act“ in Triobesetzung. Nicht verpassen!

Band: Komparse
Album: Ich toaste meine Gedanken
VÖ: bereits erschienen
Label: Eigenvertrieb
