FEELS LIKE HEAVEN – WITHIN DREAMS
Die Jungs von Feels Like Heaven mögen es oldschool. Nicht nur in Sachen Sound, sondern auch in puncto Habitus: Keine Socials, kein Marketing. Dafür ein Debüt, das vor Frische und Facettenreichtum strotzt. Über beides sprach ich mit Emanuel, dem Sänger von „Sweden’s best kept secret“.
„Wir sind fest davon überzeugt, dass die Menschen, die unseren Sound in ihrem Leben brauchen, irgendwie auch zu uns finden“, erklärt mir Emanuel den abstinenten Ansatz seiner Band. „Das Wichtigste ist doch die Musik selbst – alles drumherum ist im Grunde nur Getöse. Social Media ist oft nicht mehr als ein Statussymbol und ein Mittel, mit leeren Zahlen zu konkurrieren oder anzugeben – das passt nicht wirklich zu uns. Einen anderen Weg zu gehen, ist unsere Art, den Fokus zu schärfen – und zwar auf die Musik.“

Und die hat es tatsächlich in sich. Das Debüt „Within Dreams“ bietet in genretypisch dicht gedrängten 24 Minuten alles, was das Hardcore-Herz begehrt. Die Schweden zitieren in zehn Songs unverblümt ihre Helden aus unterschiedlichsten Epochen und Szenen, verweben diese Reminiszenzen aber geschickt zu etwas, das nicht nur äußerst frisch, sondern auch verdammt eigenständig klingt. Mal höre ich Emo-Bands der ersten Stunde wie Rights of Spring oder Embrace in neuem Gewand, dann plötzlich alte Samiam oder Dave Smalleys Down by Law, während sich Kollege Lasse gleich in den Emo der 2000er zurückversetzt fühlte. Fast wirkt „Within Dreams“ wie ein musikalischer Rorschach-Test, in dem jeder genau das findet, wonach er sucht.
Emanuel gefällt diese Analogie: „Natürlich sind wir große Fans von den klassischen Sachen, die du erwähnst. Bei der Beschreibung des Sounds einer Band muss man dennoch immer ein wenig vorsichtig sein, wenn es um mögliche Einflüsse geht. Diese können ja nicht nur aus ganz unterschiedlichen Richtungen kommen, sondern auch auf ganz verschiedenen Ebenen wirken. Ich persönlich habe mich auf ,Within Dreams‘ beispielsweise von One Last Wish genauso inspirieren lassen wie von Ringworm. Und von Youth of Today genauso wie von Madonna oder Neil Young. Wir alle lieben Musik so sehr, dass die Einflüsse von überall her kommen können. Da passt dein Rorschach-Vergleich tatsächlich ganz gut. Andererseits gibt es natürlich auch die Momente, in denen Du ganz konkret versuchst, ein Riff wie The Hated hinzubekommen … und schließlich bei dem Feels-Like-Heaven-Song ,Around the Bend‘ landest.“

Neben Emanuel gehören zu Feels Like Heaven, die ebenfalls aus Stockholm stammenden Adam, Anton, Elias und Jens. Laut Emanuel hat alles damit angefangen, dass er ein paar Songs in seinem Wohnzimmer geschrieben, sie dann mit diesen Freunden fertiggestellt und schließlich sogar als EP veröffentlicht hat. „Wir hatten eigentlich keine großen Ambitionen“, sagt er, „wir wollten einfach ein paar Songs schreiben und ein paar Shows spielen. Mehr nicht.“ Doch dann hat diese EP in der Stockholmer Szene offenbar etwas ausgelöst. Trotz mangelnder Online-Präsenz und überschaubarer Zahl an Konzerten machten die Songs die Runde und sorgten für äußerst positives Feedback.
„Das hat uns extrem motiviert, ein Full-Length-Album zu schreiben“, gibt Emanuel zu, schiebt aber schnell hinterher: „Unser Anspruch ist dennoch derselbe geblieben: Shows spielen, weil es Spaß macht. Sobald es keinen Spaß mehr macht, gibt es keinen Grund weiterzumachen. Hardcore ist das, was wir machen. Er ist das Fundament von uns als Menschen und als Bandmitglieder.“ Mit dem in einem Newsletter zu lesenden Titel „Sweden’s best kept secret“ kann Emanuel entsprechend gut leben: „Es ist wirklich nicht unser Ziel, eine riesige Band zu werden. Wir wollen die Musik spielen, die wir lieben. Wenn das Universum will, dass wir ein gut gehütetes Geheimnis bleiben, dann ist das eben so.“

Für das Frühjahr sind einige Shows in Schweden und ein Festival-Auftritt in Italien geplant, ehe es dann im kommenden Sommer zusammen mit den Kumpels von Speedway [Hier geht’s zum Review von Speedways Debüt und hier geht’s zum Bericht über ihre Live-Show im Vorprogramm von Shelter.] auf eine längere Europa-Tour geht. Anton, Adam und Jens werden dann Doppelschichten schieben müssen – sie spielen schließlich (wenn auch teils an anderen Instrumenten) in beiden Bands. Und sowohl Speedway als jetzt auch Feels Like Heaven sollten wir 2026 auf dem Schirm haben.

Artist: Feels Like Heaven
Album: Within Dreams
VÖ: Januar 2026
Label: Scheme Records
