Charlotte Cornfield – Hurts Like Hell
Ein bisschen verwundert darf man schon sein, dass Merge Records mit Charlotte Cornfield ein waschechtes Country-Album veröffentlicht – verbindet man das Label doch eher mit Indie-Bands wie Superchunk oder Crooked Fingers.
Qualitativ passt „Hurts Like Hell“ allerdings perfekt ins Programm des traditionsreichen Labels. Denn wie so oft bei Merge gilt auch hier: An diesem Album gibt es schlicht nichts auszusetzen. Es ist bereits das sechste Werk von Charlotte Cornfield, die mir bis dato noch nicht bewusst auf den Plattenteller gespült wurde. Gleichzeitig ist es der erste Longplayer, den die kanadische Musikerin seit der Geburt ihrer Tochter im Jahr 2023 aufgenommen hat.
Wer Kinder hat, weiß, dass dies einen tiefen Einschnitt ins Alltagsleben bedeutet. Und so markiert auch „Hurts Like Hell“ einen Wendepunkt. Cornfield widmet sich darauf Themen wie persönlichem Wachstum, Erneuerung und der Beständigkeit von Liebe – selbst dort, wo Schwierigkeiten, Scham oder Unbeholfenheit ihren Platz haben.
Der Titelsong lebt von einer Sehnsucht, die musikalisch wunderbar eingefangen wird. Die Pedal Steel im Refrain umspielt Cornfields Gesangslinie dabei fast perfekt. Überhaupt hat sich die Musikerin für „Hurts Like Hell“ eine bemerkenswert starke Besetzung ins Studio geholt (u.a. El Kempner von Palehound). Auch Feist steuert in „Living With It“ ihre unverwechselbare Stimme bei – ein Highlight auf einem Album, das ohnehin viele starke Momente versammelt. Dass mit Philip Weinrobe (Adrienne Lenker, Buck Meek) zudem ein Produzent beteiligt ist, der gleichermaßen ein Gespür für Songwriting und Sound besitzt, fügt sich nahtlos ins Gesamtbild.
Mit „Lucky“ bricht Cornfield dann kurz aus der ruhigen Grundstimmung des Albums aus: leicht verzerrte Gitarren und schepperndes Schlagzeug sorgen für eine willkommene Abwechslung. „Long Game“ dagegen klingt zum Abschluss so entspannt aus den Boxen, dass man sich unweigerlich auf eine Holzveranda irgendwo am Rand von Nashville versetzt fühlt.

Künstlerin: Charlotte Cornfield
Album: Hurts Like Hell
VÖ: 27.03.2026
Label: Merge Records
