AFI – Köln, Live Music Hall (30.08.2026)

Nordkaliforniens Alt-Rocker AFI (A Fire Inside) liefern einen eklektischen Musikabend in der Domstadt – es ist die am schnellsten ausverkaufte Show ihrer gesamten Tournee. Und überzeugen mit ihrem Auftritt nach gefühltem Supportact-Totalausfall umso mehr.

Mit einem großen Fan-Ansturm hätte ich wohl rechnen müssen, wenn AFI nach sechzehn Jahren mal wieder auf unseren Kontinent kommen und dann auch nur eine einzige Headliner-Show auf dem europäischen Festland bei uns in Köln spielen.

Denn trotz meiner Ankunft vierzig Minuten vor Einlass sehe ich das Ende der Schlange vor der Live Music Hall gar nicht. Endlich dort angekommen, höre ich unterschiedlichste Sprachen aus dem Osten, Norden, Süden und Westen. Nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa scheint sich hier versammelt zu haben, um die Alternative-Band aus Ukiah, Kalifornien zu bewundern.

Enttäuschender Auftritt von TR/ST
Der Ehrenfelder Club platzt schon aus sämtlichen Nähten und ich bekomme in den vorderen Reihen kaum noch Luft, als sich dann der kanadische Opening-Act TR/ST – den ich übrigens für einen genialen Produzenten halte – für mein persönliches Empfinden fast schon bedenklich unkoordiniert über die Bühne bewegt und seine Texte recht unverständlich ins Mikro nuschelt. Eigentlich wollte ich mich ab diesem Zeitpunkt schon nach hinten verziehen, um endlich durchatmen zu können, doch meine Konzertbegleitung versichert mir, dass es sich lohnt, damit noch zu warten.

Zwischen hell und dunkel
Nach dieser nach meinem Dafürhalten Nicht-Performance von Robert Alfons erklimmt endlich AFI-Sänger Davey Havok die Stage und hat die Crowd binnen Sekunden im Griff. Dabei dirigiert er die transeuropäische Zuschauerschaft mit seinem Mikrofonständer, als würde sie wie eine Katze nach einem roten Laserpunkt jagen. Spätestens beim zweiten Song „Girl’s Not Grey“ stimmt das gesamte Publikum im Chor mit ein. Die nahtlosen Übergange von Emo zu Goth zu Hardcore und wieder zurück passieren so geschmeidig, dass es kaum zu glauben ist, dass ein und dieselbe Person sie singt: Vom hohen Emo-Geschrei bis zum tiefdüsteren Deadpan-Goth-Gesang wechselt Havoks Stimme dabei wie ein Lichtschalter zwischen hell und dunkel.

Im Bann
Und so bleibe ich an meinem angestammten Platz stehen und sage mir „nur noch einen weiteren Song“ und danach geh ich nach hinten. Aber daraus wird nichts. Ich verharre und kann gar nicht mehr wegschauen. Davey steht über mir, durchbohrt mich mit seinem durchdringenden Blick und zeigt auf mich. Zumindest gibt er mir – und den Fans um mich herum – genau dieses Gefühl.

Eine weitere Rolle für mein Durchhaltevermögen spielt die ständig wandelnde Tour-Setlist. Grade mal vier Songs werden als unersetzbar gehandelt. Darunter nicht einmal die größten AFI-Hits. Mit jedem Songpick zieht es mich immer mehr in den Bann. Und obwohl ich der Ohnmacht gefühlt nahe bin, bleibe ich irgendwie auf meinen Beinen, während die Band unter Ovationen und Gebrüll der Menge von der Bühne geht.

Beste Liveband?
Die Fan-Lieblinge sowie Kult-Klassiker „Silver And Cold“ und „Miss Murder“ bilden die gefeierte Encore und zehren die letzten Kräfte aus meinen Stimmbändern und Gelenken, bevor mich die Live Music Hall endlich wieder ausspuckt und ich die frische Luft der angenehm abgekühlten Kölner Sommernacht einatme. Heute habe ich altes sowie neues musikalisches Material liebengelernt und einen weiteren Kandidaten für den Titel „Beste Liveband ever“ auf meiner Liste.

concert images by Matti Klein

Setlist
1. Strength Through Wounding
2. Girl’s Not Grey
3. Love Like Winter
4. Holy Visions
5. A Single Second
6. The Killing Lights
7. Behind The Clock
8. The Boy Who Destroyed The World
9. 17 Crimes
10. Beautiful Thieves
11. Marguerite
12. Bleed Black
13. I Hope You Suffer
14. Nooneunderground
15. The Days Of The Phoenix
16. Silver And Cold
17. Miss Murder