Ciao Lucifer – Sunset Riders

„Dance away your demons!“ Auf seinem vierten Longplayer „Sunset Riders“ bekämpft das Amsterdamer Duo Ciao Lucifer die Dämonen aus Zweifel, Angst und Alltagsfrust mit mitreißend sonnigem Indiepop.

Die Mittdreißiger Marnix Dorrestein und Willem Wits kennen sich seit der Schulzeit und machen ebenso lange gemeinsam Musik. Und nach all den Jahren klingen sie immer noch so, als hätten sie gerade erst entdeckt, wie viel Spaß zwei Menschen mit Gitarre und Schlagzeug verbreiten können. Ihr selbstgewähltes Motto „Dance away your demons“ bringt die Sache auf den Punkt: Die Dämonen mögen da sein. Man darf ihnen aber keinesfalls mit Schwermut begegnen.

Alles eine Frage des Blickwinkels: Ciao Lucifer (Foto: Bibian Bingen)

In gewohnter Manier liefern Ciao Lucifer stattdessen elf Pop-Songs voller Lebensfreude und Bewegungsdrang: kantige Indie-Gitarren, federnde Grooves, Offbeats, mehrstimmiger Gesang, manchmal fast Afro-/Highlife-artige rhythmische Figuren und Hooks, die an die sonnigere Seite des Indiebooms der Nullerjahre erinnern. Vampire Weekend werden als Referenz geführt. Nicht völlig verkehrt, allerdings transportieren Ciao Lucifer doch ein wenig mehr Garage, Gitarre und Getriebenheit.

Dass die Platte derart lebendig klingt, ist kein Zufall. Frühere Aufnahmen wurden gerne bis ins Detail ausgearbeitet, diesmal sollte endlich festgehalten werden, was Ciao Lucifer im Laufe der Jahre zu einer hervorragenden Liveband hat werden lassen. Bereits nach drei Tagen war Schluss im Studio; fast alles wurde in einem Take eingespielt. Schlagzeug, Gitarre und Gesang geschahen weitgehend gleichzeitig und Dorrestein sorgte über seine speziell angefertigte zehnsaitige Gitarre gleich auch noch für die Basstöne. Das Duo verzichtet damit zwar auf jegliche Studioakrobatik, nicht aber auf Vorbereitung: Vorher, erzählen sie selbst, wurde bis zu den Blasen an den Händen geprobt.

Wie gut der Ansatz funktioniert, hört man beispielsweise „Get Me In / Get Me Out“ an. Entstanden aus Frust bei einem vermurksten Soundcheck irgendwo in Deutschland, rumpelt und treibt der Song los, als müsse schlechte Laune möglichst schnell in positive Energie umgewandelt werden. „Offline“ schielt derweil ungeniert auf den Indie-Dancefloor, „No Goals“ streut Funk ein, und der Titelsong serviert einen dieser Refrains, die beim zweiten Durchlauf schon alte Bekannte sind.

Das alles ist Feelgood-Musik – besonders reizvoll aber eben durch den Kontrast zwischen Sound und Lyrics. Freude ja, Sorglosigkeit nein. Ciao Lucifer wissen ziemlich genau, dass das Leben genügend Mist bereithält. Ihre Antwort darauf ist bemerkenswert simpel: Verstärker an, Dämonen raus – und dann wollen wir doch mal sehen, wer länger aushält.

Band: Ciao Lucifer
Album: Sunset Riders
VÖ: 25.09.2026
Label: TRIX MGMT