The Melmacs – Euphancolia
The Melmacs liefern mit Album Nummer zwei ein bittersüßes Update ihres Power-Pop-Punk’n’Rolls. „Euphancolia“ schwankt dem Titel entsprechend zwischen Hochgefühl und Schwermut, bleibt dabei aber total eingängig und klingt bei aller thematischen Spannung herrlich unbekümmert.
Die zu Beginn der 2020er in Dresden gegründeten Melmacs bewegen sich nicht erst seit ihrem Debüt „Good Advice“ in dieser wunderbar offenen Schnittmenge von Punkrock-Vibes, Rock’n’Roll-Attitüde und Powerpop-Hooks. Gitarren dürfen hier gleichzeitig schrammeln und glänzen, immer wieder machen originelle Orgeleinsätze den Unterschied, und irgendwo zwischen Garage-Charme und unprätentiöser Verspieltheit entsteht so das, was die Band selbst im Vorfeld zum Album-Release augenzwinkernd eine „Achterbahnfahrt“, „süß-salziges Popcorn“ oder auch eine „Badewanne voller Energie, Amore und Arschtritt“ nennt. Nur um unumwunden klarzustellen, dass all diese Bilder ja ohnehin nur einen dieser Texte schmücken, „… die Bands in der dritten Person über sich selbst schreiben, als wären sie die neuen Rolling Stones. Und wie sie wirklich klingen, wissen sie selbst nicht so richtig.“ Haha, wie wohltuend geerdet!

The Melmcs sind (v.l.) Max Melmac (g), Connie (d), Bommi (v+o) und Remo (b) (Foto: Dave Mante)
Musikalisch geht’s auf „Euphancolia“ dafür von Beginn an zur Sache: Der Opener „The Tide Is High“ setzt mit Zeilen über gesellschaftlichen Druck und Widerstand gleich ein Ausrufezeichen – mit klarer Haltung und beeindruckender Catchiness. Überhaupt fällt auf, wie gelungen die Band mit Kontrasten spielt: das rockige „Run For Your Life“ und das rasante „Falling“ drehen sich um innere Unruhe, Selbstzweifel und dieses diffuse Gefühl, ständig hinterherzulaufen, während „Lazy Hearts“ poppig zur motivierenden Mitmach-Hymne avanciert. Mit Songs wie „Keep On“ oder „Electric Night“ finden sich immer wider Lichtungen zum Luftholen, wo Brecher wie „Showdown“ oder „Deadbeat“ zuvor gerodet haben. Und so unterschiedlich sich die zwölf Songs präsentieren, ihnen allen ist ein verblüffendes Hitpotenzial gemein.
„Euphancolia“ ist ein vierzigminütiges Wechselbad aus trotzigem Durchhalten und ernst zu nehmenden Hoffnungsschimmern – und ein Album mit tollem, weil abwechslungsreichem und eigenständigem Songwriting. Das sympathische Auftreten der Band erinnert zudem wohlig an eine Zeit, als Genre-Collagen im Underground noch an der Tagesordnung waren und der eigene Musikgeschmack nicht gleich mit einem Sub-Genre-Label etikettiert werden musste. Ich fühle mich – vielleicht nicht zuletzt ob der starken Präsenz von Frontfrau Bimmi – sogar an musikalisch weiter entfernte Bands wie Jingo de Lunch oder Life… But How To Live It erinnert. Diese Vergleiche hinken natürlich, und dass konkretere zu kurz greifen würden, kann nur als Kompliment an die Individualität der Dresdner gelesen werden. Entscheidend ist ohnehin weniger, wer hier wie klingt, sondern wie überzeugend „Euphancolia“ ein besonderes, und eben schwer zu greifendes Gefühl vermittelt. Tolles Album!

Band: The Melmacs
Album: Euphancolia
VÖ: 10. April 2026
Label: Bakraufarfita Records
