U2 – Days Of Ash

U2 bringen fast zehn Jahre nach ihrem letztem Album mit „Days Of Ash“ eine Überraschungs-EP heraus. Das Dubliner Quartett bezieht darauf in fünf Songs und einem Gedicht Stellung zu den Wirren unserer Zeit: Ukraine-Krieg, Demokratie-Sterben in den USA, Menschenrechtsverletzungen im Iran und Nahost-Konflikt.

Musikalisch gelingt zwar nicht alles – aber die Iren zeigen sich kraftvoll wie lange nicht mehr.

Der Opener „American Obituary“ ist ein wütender Protestsong und rechnet ab mit dem willkürlichen Erschießen der US-amerikanischen Staatsbürgerin Renée Good auf offener Straße in Minneapolis durch einen Beamten der skrupellosen Einwanderungsbehörde ICE. Das melodische „The Tears Of Things“ klingt ein wenig nach einer klagenden Mini-Oper. „Song Of The Future“ würdigt die iranischen „Women, Life, Freedom”-Proteste sowie das Leben der 16-jährigen Sarina Esmailzadeh, die von Sicherheitskräften verprügelt wurde und ihren Verletzungen erlag.

Songs & Poem
Die Lesung des Gedichts „Wildpeace” des israelischen Dichters Jehuda Amichai durch den nigerianischen Künstler Adeola geht über in den Track „One Life At A Time“, der Odeh Hadalin gewidmet ist, palästinensischer Aktivist und Familienvater, im vergangenen Jahr im Westjordanland getötet. „Yours Eternally“ ist geschrieben aus der hoffnungsvollen Perspektive des ukrainischen Musikers und Soldaten Taras Topolia, irgendwann wieder in Frieden und Freiheit aufzuwachen.

Der Gastauftritt von Ed Sheeran samt jüngeren Coldplay-Vibes auf Letzterem: geschenkt. Denn allem voran dank Larry Mullens schepperndem On-Point-Drumming und den groovigen Bassläufen Adam Claytons erfahren U2 auf allen anderen Stücken eine Art schöpferisches Auferstehen. Die mitunter uninspiriert wirkenden Darbietungen ihres 2023er-Bandkatalog-Aufgusses „Songs Of Surrender“: einstweilen vergessen.

Angenehme Frische
Denn auch, wenn U2-kundigen Hörerinnen und Hörern einige Songtexturen und musikalische Versatzstücke auf „Days Of Ash“ vertraut vorkommen mögen: David „The Edge“ Evans lässt seine Gitarren regelmäßig angenehm frisch aufschreien. Und Sänger Paul Hewson aka Bono Vox setzt seine Stimme so eindringlich und gefühlvoll ein, wie es die Protestlieder verlangen.

„Days Of Ash“ werden in der seit mittlerweile einem halben Jahrhundert währenden Karriere U2’s künstlerisch natürlich nicht in Erinnerung bleiben wie ihre Meisterwerke „The Joshua Tree“ oder „Achtung Baby“ nebst „Zooropa“. In dieser späten Bandphase muten sie dennoch wie ein kleiner kreativer Schritt nach vorn an – hopefully. Und respektables Statement in diesen schlimmen wie verrückten Zeiten sind sie ja sowieso.


EP-Cover: Island Records/U2.com