The Callous Daoboys – Köln, MTC (17.02.2026)
Zum Abschluss ihrer Heaven-Across-Europe-Tour treten die US-amerikanischen Metalcore-Darlings The Callous Daoboys im Kölner MTC auf und liefern ihren rund 200 Fans ein mitreißendes finale furioso.
Vor dem Club feiern noch die letzten Jecken den Kölner Straßenkarneval, als ich um eine Minute vor Showbeginn um 20 Uhr gerade noch rechtzeitig zum Supportact Knives die Treppenstufen hinab ins MTC-Basement nehme – was sich vollends auszahlen soll.
Zwar findet die Six-Piece-Band aus dem englischen Bristol um ihren Frontmann und Sänger Jay Schottlander (plus Drummer, Bassist, Saxophonistin und zwei Gitarristen) kaum Platz auf der Mini-Bühne, holt die Audience mit ihrem ganz eigenen Stil aus Metal, Post-Punk, Rap und Jazz musikalisch aber komplett ab.
Babooshka-Ya-Ya!
Denn unabhängig davon, wie brutal ihre Gitarrenriffs auch klingen, bleiben Bass und Saxophon stets so groovy, dass die Fans gar nicht anders können, als mitzutanzen. Einer der beiden Bandgitarristen lässt es sich dann auch nicht nehmen, von der Stage ins Moshpit zu steigen. Ihr unterhaltsames vierzigminütiges Set beenden die Briten mit ihrem Cover des Kate-Bush-Klassikers „Babooshka“, den alle lauthals mitschreien. Hört unbedingt mal rein in ihr starkes Debütalbum „Glitterer“.
Nach fünfzehnminütiger Umbaupause samt kurzer, technischer Schwierigkeiten entern die Callous Daoboys aus Atlanta, Georgia, gegen 21 Uhr die Bühne, auf der es weiterhin ähnlich gedrungen zugeht – denn Sänger Carson „Big Animal“ Pace hat mit Schlagzeuger, Bassisten, Violinistin und zwei Gitarristen ebenso fünf Bandmates an seiner Seite.
Obwohl ich ja nach wie vor kein ausgewiesener Metalcore-Fan bin, haben mich die Callous Daoboys im März 2025 im Kölner Palladium als Opener für Silverstein und Thursday (hier geht’s zum Crazewire-Konzertbericht) so positiv überrascht, dass ich mir damals ihr kurz nach dem Auftritt releastes Album „I Don’t Want To See You In Heaven“ angehört und liebgewonnen habe – und mir wenig später Tickets für die Show im MTC besorgt.

Klare Haltung
Und auch wenn ich die gefühlte, nahezu einhundertprozentige Männerquote in Metalcore-Crowds inklusive testosterongeschwängerter Atmosphäre ganz allgemein und ebenso am heutigen Abend noch für veränderungswürdig halte, habe ich im sympathischen kölschen Club das Gefühl: Hier sind alle willkommen!
Jeder gibt auf den anderen Acht und passt auf, dass außerhalb des Pits stehende Personen nicht unfreiwillig mit in selbiges hineingezogen und innerhalb des Moshpits niemand verletzt wird. Dass beide Acts weibliche Bandmember in ihren Reihen haben, freut mich riesig und tut dem Genre gut. Die Callous Daoboys positionieren sich da ebenso klar in ihrer Haltung mit einem sprechenden Sticker auf ihrer Bassgitarre: „Transphobes Blow Your Shit Smoove Off“.
Manische Taktwechsel
Live ist die Band für mich nochmal einen Ticken besonderer als auf ihren Alben. Die Setlist brilliert durch ihre Abwechslung brachialer Breakdowns und Screams wie in „Tears on Lambo Leather“ mit vereinzelten, melodischen Sing-Along-Tracks wie „Lemon“. Songs letzterer Art hätten es für meinen persönlichen Geschmack durchaus gern noch ein paar mehr sein dürfen im MTC.
Bei all ihren Darbietungen verlieren die Callous Daoboys, ähnlich wie die Knives, nie ihren unwiderstehlichen Groove – bei dem es auf Konzertlänge betrachtet natürlich dennoch nicht ganz so einfach bleibt für die schwitzende, tanzende Menschenmenge, die ständigen, für den Mathcore-typischen, manischen Taktwechsel mitzugehen.
Finales Duett
Zum Finale des Gigs kommt Knives-Sänger Schottlander nochmal für eine Duett-Performance mit auf die Bühne, während die komplette Audience im Pit durchdreht und die beiden Frontmänner auffängt, wenn sie hineinspringen.
Nach gut siebzig Minuten beenden die Callous Daoboys mit der Zugabe „A Brief Article Regarding Time Loops“ ihr Set sowie die mitreißende Konzertnacht. Und natürlich ist es im Anschluss an diese für beide Bands eine Selbstverständlichkeit, am Merchstand mit den Fans zu quatschen und Autogramme zu geben.

Concert Review: Matti David Klein
Concert Images: Melika Heidar Panah
Setlist
Full Moon Guidance
Two-Headed Trout
Pushing The Pink Envelope
Lemon
Die On Mars (Sunspot)
Distracted By The Mona Lisa
Idiot Temptation Force
Fake Dinosaur Bones
Blackberry DeLorean
Schizophrenia Legacy
Tears On Lambo Leather (mit Jay Schottlander)
Star Baby
The Demon Of Unreality Limping Like A Dog
Encore: A Brief Article Regarding Time Loops
