Die Regierung – Immer unbekannt

Mit „Immer unbekannt“ veröffentlicht Tilman Rossmy bereits das fünfte Die Regierung-Album seit der Reunion 2017. Unaufgeregt und ohne wirklichen Höhepunkt beweist Rossmy erneut, was für ein großartiger Songwriter er ist.

Als die Lassie Singers 1992 ihr Album „Sei a Gogo“ veröffentlichten, war ich hin und weg. Denn nicht nur die Hymne „Hamburg“ begeisterte mich, sondern auch der schrammelige Knaller „Loswerden“ überzeugte mich total. Erst sehr viel später entdeckte ich im Booklet, dass es sich dabei um eine Coverversion handelte. Die Regierung sagte mir zu dieser Zeit gar nichts, dafür kannte ich Rossmy bereits durch seine Solo-Songs, die ich zum Teil ebenfalls großartig fand. Da gab es Die Regierung allerdings schon nicht mehr.

Und auch wenn sie eine große Relevanz für die Mitglieder*innen der Hamburger Schule besaßen und die Spex das Regierungs-Debütalbum „Supermüll“ (1984) als „die beste deutsche Platte der Achtzigerjahre“ bezeichnete – für einen wirklichen Durchbruch hat es nie gereicht. Vor fünf Jahren brachte Jan Müller (Tocotronic) Rossmy in seinem Reflektor-Podcast wieder in mein Gedächtnis – übrigens ein sehr tolles Gespräch, das sich unbedingt anzuhören lohnt.

Nun also „Immer unbekannt“. Der Opener „Der Schmerz bin ich“ startet mit einer ganz wunderbaren Akustikgitarre, die dann in einem nur auf den ersten Blick leicht angestaubten Soundgewand aufgeht. Dazu die typisch gelangweilt klingende Stimme Rossmys. Hat mich sofort. Was für ein toller Song. Die Vorab-Single „Eine Sekunde frei“ überzeugt durch einen wirklich schönen Lo-Fi-Charme. Der hin und wieder gezogene Vergleich zu Indie-Größen wie Guided by Voices ergibt hier allein schon produktionstechnisch Sinn.

Thematisch beschäftigen sich Rossmy und seine Regierung seit dem Album „Da“ fast ausschließlich mit dem unerschöpflichen Themenkomplex der Liebe. Allerdings verfolgen sie dabei nicht mehr die Idee einer zwischenmenschlichen, romanhaften Liebeserzählung, sondern versuchen, Liebe in einem viel größeren, transzendentalen, kosmischen und schwer zu fassenden Sinne zu begreifen.

Trotz des großen Spaßes, den einige Songs auf „Immer unbekannt“ machen, gelingt es der Regierung über die gesamte Albumlänge nicht, die Spannung bis zum Ende hochzuhalten. Das spielt bei einem Album dieser Band allerdings auch keine wirkliche Rolle. Das formuliert Staatsakt im Infotext zur neuen Platte schon ganz treffend:

Die 11 neuen Regierungs-Songs haben trotz des ganzen Understatements – von der Titelgebung bis zum Sound – mal wieder das Zeug, zu neuen Klassikern zu werden. Zu Klassikern der Regierung wohlgemerkt; dieser beharrlichen Untergrund-Band mit ihrer treuen Fanbase, wie es sie in Deutschland ganz gewiss kein zweites Mal gibt.

Band: Die Regierung
Album: Immer unbekannt
Label: Staatsakt/Bertus
VÖ: 20.02.2026