The Beths – Straight Line Was A Lie

Auch wenn der Titel ihres bereits vierten Longplayers das Gegenteil vermuten lässt: Mit „Straight Line Was A Lie“ wird es für die neuseeländischen The Beths, die der Rolling Stone bereist 2022 als „eine der großartigsten Indie-Rock-Bands ihrer Zeit“ bezeichnete, weiter schnurstracks geradeaus gehen.

Mit dem ungestümen Debüt „Future Me Hates Me“ (2018), dem introvertierteren Nachfolger „Jump Rope Gazers“ (2020) und schließlich dem von der Kritik gefeierten „Expert In A Dying Field“ (2022) erspielte sich die unermüdlich tourende Band aus Auckland in den vergangenen Jahren nicht nur eine treue Fangemeinde. Auch Chartplatzierungen in der Heimat und begehrte Slots auf internationalen Bühnen mit den Pixies, The Breeders, The Postal Service oder Death Cab For Cutie sind Ergebnisse der konstanten Weiterentwicklung ihres mitreissenden Indie-Pops.

The Beths sind Elizabeth Stokes (v+g), Benjamin Sinclair (b), Tristan Deck (d), Jonathan Pearce (g) • Foto: Frances Carter

Auf „Straight Line Was A Lie“ präsentiert uns das Quartett um Sängerin Elizabeth Stokes nun via ANTI- zehn heterogene Songs, die von der ausgewogenen Produktion und dem markanten Gesang der Frontfrau zusammengehalten werden und so peu á peu zu einem äußerst stimmigen Album verschmelzen. Es gibt die dynamischen Rocker, wie den eröffnenden Titletrack oder die Vorab-Single „No Joy“, schwelgerische Indie-Pop-Perlen á la „Mosquitos“ oder „Metal“ und traurig-schöne Balladen wie „Mother, Pray For Me“ oder „Til My Heart Stops“. Über die gesamte Spielzeit von fast 45 Minuten weht mit einer herrlichen Frische und Leichtigkeit zudem ein nostalgischer 1990s-Indie-Vibe durch die Songs. Nach drei tollen Alben nun also der nächste große Schritt. 

Und doch: Der Titel des neuen Werks kommt nicht von ungefähr. Er bildet stattdessen den roten Faden, der die zehn Songs auch auf inhaltlicher Ebene miteinander verbindet. „Lineare Entwicklung ist eine Illusion“, sagt Band-Namensgeberin Elizabeth, deren Umgang mit körperlichen und seelischen Leiden in der jüngeren Vergangenheit untrennbar mit der künstlerischen Ausrichtung des neuen Albums verbunden sind: „Worum es wirklich geht, ist Durchhalten. Und vielleicht die Suche nach dem Sinn in diesem Durchhalten.“

Hinter den glasklaren Harmonien und den clever arrangierte Gitarrenlinien, die Elizabeth gemeinsam mit ihrem musikalischen Partner, dem Gitarristen Jonathan Pearce komponierte, verbergen sich Songs mit emotionaler Tiefe und Dringlichkeit, die persönlicher und reflektierter sind als alles Bisherige im The-Beths-Kosmos. Statt sich in humoristischem Zynismus zu ergehen, gelingt es Stokes diesmal sich zu öffnen, das Persönliche einzufangen und zum Prinzip zu erheben: Bei der wunderschönen Singer-Songwriter-Ballade „Mother, Pray For Me“ beispielsweise („Ich habe während des gesamten Schreibprozesses geweint.“), in der es um unnatürliche familiäre Distanzen geht. Oder bei „No Joy!“ mit seinem angeblich gutgelaunten „Bapapaaa“-Chorus, das die Begleiterscheinungen im Umgang mit Antidepressiva beschreibt. Und natürlich beim Opener „Straight Line Was A Lie“ selbst, der das Durchhalten gleich zu Beginn zum Leitthema des Albums erklärt.

Bei allem Ringen und Kämpfen ist „Straight Line Was A Lie“ aber eben kein schwermütiges Album. Im Gegenteil. Es ist ein Album voller Indie-Hits, die man auch schlicht und einfach als solche annehmen und es dabei belassen kann. Dennoch sei empfohlen, hinter die Fassade aus schmissigen Gitarrenlicks und zuckersüßen Melodien zu schauen und zu erfahren, was uns die Künstler eigentlich damit sagen wollen.

 

Band: The Beths
Album: Straight Line Was A Lie
VÖ: 29.08.2025
Label: ANTI-Records