Grade 2 – Let’s Talk About It

Kein Sprung ins Ungewisse, aber ein klarer Schritt nach vorn: Auf „Let’s Talk About It“ zeigen Grade 2, wie frisch Streetpunk auch in bester Tradition großer Vorbilder klingen kann. Deren Einflüsse sind überall spürbar, das stört aber nicht – die Briten bringen genug Eigenes mit.

2013 als Schülerband auf der Isle of Wight gegründet, zeigen Grade 2 früh, dass sie mehr sind als ein Oi!-Revival-Projekt. Erste Aufmerksamkeit bringt ihnen der „Oi! This Is Streetpunk“-Sampler, gefolgt von Support-Slots für Bands wie Lion’s Law oder Booze And Glory (–> Hier geht’s zum Review des aktuellen Albums.). Und über Contra Records erscheinen mit „Mainstream View“ (2016) und „Break The Routine“ (2017) schnell zwei Full-Lengths, die ihr Gespür für eingängige Streetpunk-Songs unterstreichen. Der entscheidende Schritt aber folgt 2019: Mit „Graveyard Island“ und dem Wechsel zu Tim Armstrongs Hellcat Records rücken Grade 2 endgültig ins internationale Blickfeld und stehen seitdem für eine neue Schnittstelle zwischen klassischem Oi!-Erbe und unverbrauchten Streetpunk-Vibes.

Das junge Gesicht des Streetpunk: Grade 2 (Foto: Christopher Bethell)

„Let’s Talk About It“ bleibt dieser Linie treu – effizient, druckvoll und ohne Umwege bolzt sich das Trio durch elf Songs mit starken Hooks und melodischen Refrains zum Mitgröhlen. Und doch zeigen Form und Inhalt eine deutliche Entwicklung: Statt auf Dauerfeuer setzt das Album auf Dynamik. Ruhigere Passagen sorgen für mehr Gewicht, Akzente wie Piano oder Hammondorgel erweitern das Klangbild. Und inhaltlich rücken persönlichere Themen wie Beziehungen, mentale Gesundheit oder das Älterwerden als Band in den Fokus – weg vom Moment also, hin zu Zusammenhängen, Konsequenzen und Perspektiven. Die Produktion hält den Druck dabei konstant hoch, ohne den melodischen Drive zu überrollen – im Gegenteil: Beides greift hier sauber ineinander. Ein klares Verdienst der Verantwortlichen bei Hellcat Records, die dem Sound diese spezielle Dualität verpassen: roh genug, um straight zu klingen, und gleichzeitig geschmeidig genug, um zugänglich zu sein. Eben ganz so, wie es die kalifornischen Idole einst vorgemacht haben. 

Denn so viel ist klar: Der Einfluss von Rancid – oder dem Hellcat-Umfeld generelll – ist nicht zu leugnen. Vor allem in der Refrainarbeit und im Spannungsfeld zwischen Druck und Eingängigkeit blitzen die großen Helden immer wieder auf. Gleichzeitig gelingt es Grade 2 aber zunehmend, sich mit abwechslungsreichem Songwriting freizuspielen: Das Trio baut seine Stärken aus, öffnet sich neuen Möglichkeiten und behält seinen Kern dennoch stets im Blick. „Let’s Talk About It“ zeigt eine Band in Hochform – deren ganz großer Wurf womöglich noch vor bevorsteht.

Band: Grade 2
Album: Let’s Talk About It
VÖ: 03.04.2026
Label: Hellcat Records