Thomas D – Köln, Gloria-Theater (13.05.2026)

Deutsch-Rap-Ikone Thomas Dürr, besser bekannt als Thomas D von den Fanta 4, spielt mit seiner Live-Band The KBCS im schmucken Kölner Gloria-Theater auf. Im Gepäck: sein neues, rundum gelungenes Soloalbum „Neocortex“ – und auch nach rund vierzig Jahren als Künstler noch jede Menge Rückenwind.

„Die Liebe ist in Köln zu Haus“, freut sich der in Stuttgart geborene Thomas D sichtlich gerührt ob der überschwänglichen Zuneigung des Domstadt-Publikums, das die schwäbische Hip-Hop-Legende und seine groovigen musikalischen Begleiter aus der Hansestadt Hamburg vom ersten Ton an frenetisch feiert.

Smart wie tiefgreifend
Smarte und tiefgreifende Reime, die zu Herzen gehen, sind bis heute das musikalische Markenzeichen von Thomas D geblieben. Bei deren Vortrag er im Gloria-Theater beim Rappen im Duett gelegentlich von Gu, dem sympathischen norddeutschen DJ, Labelbetreiber und Produzenten, der unter anderem bereits mit Chuck D von Public Enemy zusammenarbeitete, energetisch unterstützt wird – etwa beim hoffnungsfrohen „Das Leben Ist Ein Geschenk“.


Cover-Artwork (Rekord Music)

Ein Drittel des zwanzig Stücke fassenden Sets bilden weitere neue Lieder wie „Federleicht“, auf dem Longplayer stimmlich von Reinhard Mey begleitet, „Nur Mut“, „Mein Nachbar“, gewidmet Thomas Ds im Song besungenen Kumpel, der im Auditorium ist, „Mutterliebe – Vaterstolz“ und das melodisch bezaubernde „Ständige Veränderung“, auf „Neocortex“ von Singer-Songwriter Jack McBannon im Chorus gesungen.

A-cappella-Lebensvortrag
Höhepunkt der „Neocortex“-Tracks ist jedoch wie auf der Platte das heute Abend als erste Zugabe a cappella dargebotene „Kurz Zu Mir“, in dem Thomas D auf nachdenkliche und dennoch wunderbar humorvolle Weise seinen Lebensweg bis hierher erzählt – nicht nur im Publikum kullert da das eine oder andere Tränchen.

Natürlich fehlen neben den freshen Solosongs auch Klassiker der Fantastischen Vier, also der Band, mit der Thomas D gemeinsam mit weiteren, hiesigen Hip-Hop-Pionieren wie Advanced Chemistry, Microphone Mafia und den Stieber Twins ab Ende der 1980er-Jahre rhythmischen Sprechgesang hierzulande salonfähig machte, wie „Millionen Legionen“, „Liebesbrief“ und „Krieger“ nicht in der klug kuratierten, abwechslungsreichen Setlist.

„Rap-Opa“ noch lange nicht müde
Das Sahnehäubchen auf die mitreißende kölsche Konzertnacht im mit 900 Fans seit Wochen ausverkauften Gloria-Theater ist nach zwei unterhaltsamen Stunden selbstredend „Rückenwind“, Thomas‘ Signature-Song und Überhit seiner Debüt-LP „Solo“ aus dem Jahr 1997. Wer den bestens aufgelegten „Rap-Opa“, wie er sich gern selbst betitelt, an diesem Abend erlebt hat, hegt keinerlei Zweifel, dass die musikalische Reise Thomas Ds noch ein gutes Stück weit währen wird.

Concert Images by Sven Klein