The Overjoyed – The Overjoyed
Ach, herrlich! Auf ihrem selbstbetitelten dritten Album bieten uns die griechischen The Overjoyed wunderbar frischen, weil ungeschminkten Punkrock, der hochmelodiös nach vorne prescht. Und die DIY-Flagge schwenken die Vier auch noch unaufhörlich. Was will man mehr?
Seit ihrer Gründung Ende der Nullerjahre in Athen erspielen sich The Overjoyed mit unermüdlichem Touring und schweißtreibenden Shows ihren Platz im europäischen Punkrock. Schon früh loben Blogs und Szene-Magazine die rohe Energie und die starken Songs der Band und spätestens mit der EP „Pressurepop“ (2023), die auf die beiden Alben „Boomdoggle“ (2016) und „Aced Out“ (2019) folgt, schärft sich der Fokus der internationalen Aufmerksamkeit. Mit klaren Hooks und eingängigen Melodien spielen sich die vier Musiker schließlich sogar ins Vorprogramm von Genre-Schwergewichten wie Green Day und The Offspring.

Das neue Album markiert nun deutlich einen kreativen Wendepunkt für die Athener. Erstmals entsteht das Material nämlich vollständig kollaborativ. Sänger Leo freut sich schon: „Ich bin total gespannt! Bislang war ich immer für die Grundideen und Melodien der Songs zuständig, die wir dann zusammen ausgearbeitet haben. Das war diesmal komplett anders. Für das neue Album haben wir auch während des Schreibprozesses schon zu einhundert Prozent kooperiert.“ Die neun Songs sind also mehr als sonst das Resultat kollektiver Reibung und wechselseitiger Inspiration. Der DIY-Gedanke, für den das Quartett von Beginn an steht, hat gleichwohl Bestand. Wie schon bei den früheren Releases verzichtet die Band beispielsweise bewusst auf einen externen Produzenten. „Wir haben das gesamte Album wieder selbst produziert“, sagt Leo und ergänzt: „Allerdings mit Unterstützung unseres Freundes Marios Adamopoulos, einem super talentierten Mixer, der sich für dieses Projekt echt den Arsch aufgerissen hat.“

Und diesen unbändige Drang nach Unabhängigkeit und Idealismus spürt man in jeder der knapp 30 Minuten Spielzeit. Gleich „Can’t Write Music“, der ungestüme und doch so düstere Opener in Misfits-Manier, wirkt wie ein Befreiungsschlag. Das folgende „Spark“ holt uns aus dessen Tal der Identitätskrise und strotzt nur so vor Optimismus. „Unser Reminder, dass wir es doch noch drauf haben“, lacht Leo. Mit „Don’t Listen!“ und „Rotten Love“ befinden wir uns dann längst auf dem rasanten Ritt über Melodiebögen, Breaks und Refrains zum Mitgröhlen. „Party Eyes“ nimmt zur Mitte des Albums hin ein wenig den Fuß vom Gas und erinnert dabei angenehm an Green Day zu Insomniac-Zeiten, ehe das rotzig-rockige „Joy Vampire“ und vor allem die beiden Pop-Punk-Songs „Laundromat“ und „Already Late“ zum Ende hin noch einmal Vollgas geben.
Mit ihrem dritten Longplayer liefern The Overjoyed ein rundum gelungenes Punkrock-Album, das angenehm ungeschliffen und im besten Sinne unmodern klingt. Dafür aber unmittelbar und direkt. Damit und auch dank der vielen Pop-Hits mit ihren hymnischen Refrains erobern die Griechen Herz und Hörmuschel im Handumdrehen. Toll. [kh]

Band: The Overjoyed
Album: s/t
VÖ: 20.02.2026
Label: Equal Songs
