Mattiu – Aura

Was beginnt wie eine korsische Paghjella, entpuppt sich schnell als eines der außergewöhnlichsten Liedermacher-Pop-Alben dieser Tage. In einem glasklaren Tenor erzählt uns der Schweizer Mattiu auf „Aura“ zehn rätoromanische Geschichten, die tief bewegen – auch ohne dass wir nur ein einziges Wort verstehen.

Mattiu Defuns ist 28 Jahre alt, lebt im Kanton Graubünden und hat mit den beiden EPs „Sur La Selva“ (2022) und „Da Casa“ (2024) bereits begonnen, sein ganz eigenes Stückchen Land auf der Karte der zeitgenössischen Popmusik abzustecken. Mit seinem ersten Longplayer „Aura“ schlagen die dort gesetzten, jüngst noch zarten Pflänzchen seiner musikalischen Ausrichtung nun Wurzeln und treiben gehörig aus.

Seine ergreifenden Kompositionen werden unter der Mithilfe etlicher Musiker*innen und Sänger*innen lebendig und verschmelzen in den aufwendigen Arrangements von Gianluca Giger zu einer eigenwilligen Melange mit Singer-Songwriter-Ethos, World-Music-Attitüde und einer ganzen Menge Pop-Appeal. Eine Mischung, die gleichzeitig vereinnahmt und herausfordert. 

Analog zum tiefgründigen Cover des Albums und dessen Songs: Mattiu im Spiegelporträt. (Foto: Christian Ritz)

Doch ob in eingangs erwähnten polyphonen A-capella-Gesängen („Mument“), in schwelgerischen Balladen mit stiller Begleitung von Klavier oder Gitarre („Uaul“) oder bei stampfenden Beats und ausufernden Klangteppichen („Midada“) – es ist diese eindringliche, bisweilen ungewohnt hohe Männerstimme, die das alles hier zusammenhält und trägt. Sie klingt mal erdig, mal luftig und spiegelt immer – passend zu den Inhalten der Songs – Mattius enge Verbundenheit zu seiner Heimat wider.  

Thematisch kreist das Album um Herkunft, Erinnerung und den behutsamen Umgang mit Zeit. Immer wieder tauchen Bilder von Wald, Regen, Erde und Licht auf, vom Kreislauf und den Wendepunkten des Lebens. Die Lieder zeugen von Mattius tiefer Verwurzelung in der Natur und in der Musiktradition seiner Familie. Stücke wie „Plova“, „Uaul“ oder „Casa Mia“ erzählen von den Großeltern, vom Arbeiten auf dem Land, vom richtigen Moment und dem Gefühl des Ankommens – mal melancholisch, mal regelrecht sakral, stets transportiert von einer ganz besonderen Stimme.

„Aura“ ist auf vielen Ebenen ein ungewöhnliches Album. Doch so sehr sich die Exotik von Sprache und Gesang hier auch in den Vordergrund drängen mögen – es darf dabei nicht vernachlässigt werden, welch berührende Balladen und Popsongs voller Schönheit dem zugrunde liegen. Für mich persönlich eine der großen Überraschungen im Crazewire-Kosmos.

Band: Mattiu
Album: Aura
VÖ: 13.02.2026
Label: Radicalis Music