Good Riddance – Before The World Caves In

Zwischen Wut und Wissen: Good Riddance melden sich mit ihrem zehnten Lonplayer „Before The World Caves In“ ebenso düster wie aggressiv zurück. Es ist das entschlossene Statement einer Band, deren Feuer noch brennt – auch wenn ihr Zorn heute anders klingt.

Seit ihrer Gründung 1986 zählen Good Riddance zu den verlässlichsten Stimmen des US-Hardcore. Geprägt vom Westcoast-Punk der frühen 1990er-Jahre verband die Band aus Santa Cruz von Beginn an Geschwindigkeit und Melodie mit einer klaren politischen Haltung. Die konsequente Auseinandersetzung mit Themen wie Kapitalismus, Ausbeutung und Umweltschutz prägte den Tenor von Alben wie „For God and Country“ (1995), „Ballads from the Revolution“ (1998) oder meinem persönlichen Liebling „Operation Phoenix“ (1999) und etablierte Good Riddance als eine der zentralen Größen der kalifornischen Hardcore-Welle nach dem großen Melody-Core-Boom. Nach einem zwischenzeitlichen Aus im Jahr 2007 und der Rückkehr 2012 präsentiert sich die Band heute reflektierter – jedoch kein bisschen zahmer.

Good Riddnce sind (v.l.): Chuck Platt (b), Russ Rankin (v.), Sean Sellers (d.) und Luke Pabich (g.)

„Die Wut ist noch da“, bestätigt mir Russ Rankin, Frontmann des kalifornischen Vierers, vor einigen Tagen im Interview [→ Hier geht’s zum Interview.]; sie sei nur ein wenig mehr als früher von Erfahrungen und Wissen gefiltert. Entsprechend dunkel klingen die neuen Songs: „Before The World Caves In“ umschließt eine regelrechte Schwere, alles wirkt düsterer als zuvor. Und diese Düsternis ist kein Selbstzweck, sondern ein bewusst gewähltes Stilmittel: „Mit einem Blick auf die Zeit, in der wir leben“, so Russ, „wollten wir unbedingt ein dunkles, hartes und direktes Album machen.“

Gleichzeitig lebt das Jubiläums-Release von seiner Dynamik: Der Kern bleibt unangetastet, und doch erkundet die Band Neuland, um unerwartete Spannungsbögen zu schaffen. Die Songs pulsieren zwischen klassischem Highspeed-Hardcore und Momenten, in denen das Tempo deutlich gedrosselt wird – ein „Ebbe-und-Flut“-Prinzip, wie die Band es nennt: „Wir haben diesmal Dinge ausprobiert, die deutlich außerhalb unserer Komfortzone lagen. Das war wichtig für uns und gut für das Album.“

Die angesprochene Reife zeigt sich derweil auch in den Texten. Diese zielen nicht auf tagespolitische Aufreger, sondern sezieren die großen Zusammenhänge: gesellschaftliche Brüche, ideologische Verhärtungen, individuelle Ohnmacht. Interessant ist dabei Rankins Ansatz des Songwritings als eine Art Puzzle: Songs sollen sowohl eigener Ausdruck sein als auch Reaktionen bei anderen hervorrufen – Menschen inspirieren, zum Denken anregen oder schlicht Halt geben.

„Before The World Caves In“ ist trotz aller Schwere und Aggressivität kein nihilistisches Werk. Sowohl textlich als auch musikalisch lässt es genügend Raum zum Durchatmen – und stellenweise sogar für so etwas wie Hoffnung. „Wir sind an Lösungen interessiert!“, betont Russ. Vor allem aber ist es formal überzeugend und inhaltlich relevant – und zerstreut damit ganz nebenbei die bandinterne Sorge, jemand könne ernsthaft befürchten, Good Riddance gingen ausgerechnet mit ihrem zehnten Album plötzlich auf Nummer sicher.

Wer tiefer einsteigen will, findet im Interview mit Russ Rankin zusätzliche Einblicke: [→ Hier geht’s zum Interview.]

Band: Good Riddance
Album: Before The World Caves In
VÖ: 27.03.2026
Label: Fat Wreck Chords