Fake Names – Punk Ruins

Die Lebensläufe sind Punkgeschichte, die Namen klingen nach Supergroup. Tatsächlich aber sind Fake Names vor allem eins: drei alte Schulfreunde mit ihrem dereinst größten Fan am Mikro. Umso schöner, dass auch ihr dritter Streich „Punk Ruins“ nicht nach Rückschau, sondern nach Aufbruch klingt.

Aus ihrer eigenen Vergangenheit machen Fake Names kaum Aufhebens, der Blick ist nach vorne gerichtet. Dabei ließen sich mit den Backgrounds der einzelnen Musiker ganze Bücher füllen: Brian Baker war Mitglied von Minor Threat, gründete Dag Nasty und spielt heute bei Bad Religion. Michael Hampton gehörte zum Line-up von S.O.A., Embrace und The Faith. Und Johnny Temple war Teil von Soulside und Girls Against Boys. Allesamt also prägende Player in der heute regelrecht mystifizierten D.C.-Szene der 1980er Jahre. Doch die Freundschaft der drei reicht weiter zurück als die Geschichte dieser Bands. Baker, Hampton und Temple kennen sich schon seit der Grundschule und fanden vor rund zehn Jahren für Fake Names erstmals unter einem Banner zusammen.

Supergroup als Klassentreffen: Brian Baker, Dennis Lyxzén, Michael Hampton, Johnny Temple und Mario Rubalcaba (im Uhrzeigersinn v.l.o.)

Dem Sänger Dennis Lyxzén kommt eine besondere Rolle zu. Der Schwede hat mit Refused und The (International) Noise Conspiracy selbst Geschichte geschrieben, steht hier aber zugleich als Fan seiner Kollegen am Mikro. Die Begeisterung für deren Bands gehört zur Vorgeschichte seiner eigenen – eine reizvolle Verschiebung der Perspektive, wenn aus einstigen Vorbildern plötzlich Mitmusiker werden. Mit dem neuen Schlagzeuger Mario Rubalcaba, bekannt von Rocket From The Crypt und OFF!, ist die Besetzung komplett – und das Etikett Supergroup nun doch nicht mehr zu vermeiden.

Im Chicagoer Electrical Audio – dem Studio der Produzenten-Ikone Steve Albini – nahmen die fünf gemeinsam mit Matthew Barnhardt zwölf Songs in fünf Tagen auf, Lyxzén erledigte seinen Gesang gar an einem einzigen. Demos waren zwar vorbereitet, doch gemeinsam gespielt hatte diese Besetzung zuvor noch nicht. Dass man im Studio auch wohnen konnte, machte aus den Aufnahmen eine Woche gemeinsamen Lebens und Musizierens. „Es ist nicht so schwer, wie man denkt“, kommentiert Baker das auf seine typisch lakonische Art. 

„Until It’s Normal“ eröffnet mit drängenden Gitarren und richtet sich gegen die Gewöhnung an faschistische Propaganda. Die Haltung bleibt unmissverständlich, die Melodien gehen ins Ohr. Überhaupt verbinden Fake Names Hardcore und Power-Pop mit einer Selbstverständlichkeit, die mich immer wieder an meine geliebten Dag Nasty erinnert. „Diamond Buzz“ zieht seinen Reiz aus einem hypnotischen Groove, „If You Could See Me Today“ lässt über rauem Bass die Gitarren hell flirren. Eingängig, ja. Aber nicht ecken- und kantenlos.

Dafür sorgt auch und vor allem Lyxzéns bisweilen krächzendes Timbre, das den Melodien gelegentlich entgegensteht, ihnen zugleich aber den nötigen Rotz verleiht. Der Sänger selbst schätzt die Gelegenheit, seine Stimme anders einzusetzen als gewohnt. Und Baker, der sich im Vorfeld der Veröffentlichung gleichermaßen auf The Cure und Chicago als Inspirationen berief, betont: „Es gibt keine Leitplanken.“

Fake Names kennen ihre Herkunft und halten trotzdem Ausschau nach neuen Wegen. „Punk Ruins“ lebt von der Erfahrung – und der erfreulichen Weigerung, sich darauf auszuruhen.

Band: Fake Names
Album: Punk Ruins
Label: Epitaph Records
Release: 23.10.2026