Jim E. Brown – Talschlösschen, Ratingen (27.03.2026)
Um das 19-jährige Internet-Phänomen Jim E. Brown aus Didsbury (Großbritannien) wirklich zu verstehen, sollte man ihn am besten live erleben – zum Beispiel stilecht in einem Restaurant mit Kneipenbetrieb. Schließlich ist Jim E. Brown auch noch Food-Blogger.
Die Tourdaten zeigen, wie umtriebig der Brite ist, der sich selbst wahlweise als Pop-Sensation oder als Alkoholiker mit diversen degenerativen Erkrankungen bezeichnet. Neben Touren in den USA und Australien ist er momentan auf großer Europa-Tour. Neben Städten wie Madrid, Amsterdam, Wien, Warschau oder Berlin macht er auch im bezaubernden Talschlösschen in Ratingen Halt.
Das ist natürlich schon der erste Witz, ist Ratingen doch nicht unbedingt für seine Live-Clubs bekannt. Trotzdem bemüht sich das Talschlösschen, ein ambitioniertes und stilvolles Programm auf die Beine zu stellen. Im Falle von Jim E. Brown klappt das ganz hervorragend – die Show ist offiziell ausverkauft.

Andy Burns
Jim sitzt vor der Show mit seinem Manager Andy Burns am Merch-Tisch: wortkarg, aber jederzeit für Fotos und Autogramme zu haben. Dass Andy auch das Vorprogramm bestreitet, ergibt durchaus Sinn, hat er doch einige wirklich gute Indie-Perlen im Gepäck. Live wirkt das Ganze etwas verschrobener als auf Platte, aber dennoch beeindruckend. Vor allem „Antoine“ ist ein starker Song. Entsprechend ist das Publikum in Ratingen schon früh bestens gelaunt.
Diese gute Laune steigert sich eine halbe Stunde später noch einmal deutlich. Jim E. Brown bleibt auch auf der Bühne konsequent in seiner Rolle, sodass man sich nie ganz sicher sein kann, ob er sein Publikum nicht gerade komplett auf den Arm nimmt. Das Beeindruckende an der Performance ist, dass hinter all dem Quatsch ein enormes musikalisches Potenzial steckt. Und das Publikum frisst ihm ohnehin aus der Hand und lässt sich eine gute Stunde lang von allen Sorgen befreien. Denn eigentlich gibt es niemanden, der beim fünften Durchgang von „The Queue at Greggs“ nicht doch grinsen muss. Der von den 1980ern beeinflusste Überhit „I’m Quitting Prozac to Continue Drinking“ wird lauthals mitgesungen, während die Cranberries-Coverversion von „Linger“ live genauso schief intoniert wird wie auf Platte.

Jim E. Brown
Insgesamt ist das alles sehr gut gemachte Unterhaltung, die das Multitalent Jim E. Brown auch in Buchform veröffentlicht. „Setting my pain to music takes my poetry to another, more epic level.“ Am Ende bleibt ein fantastischer Abend in einer sehr sympathischen Location, der – dem Anlass entsprechend – an der Theke endet.
