Oktobernatt – Coordinates°

Atmosphärisch, melancholisch und explosiv: Zwei Jahre nach ihrer Gründung veröffentlicht die Berliner Indie-Band Oktobernatt ihre Five-Track-Debüt-EP „Coordinates°“, die man immer wieder von vorn abspielen möchte.

Als ich jüngst auf ein mir vorgeschlagenes Musikvideo namens „Rasa“ mit ein paar hundert Aufrufen klickte, habe ich ehrlich gesagt nicht sonderlich viel erwartet. Ich meine: Wer produziert heutzutage noch Musikvideos und in wie vielen Fällen sind diese dann interessant?

Multinationale Six-Piece-Band
Allerdings wurde ich schnell vom Gegenteil überzeugt. Und umso erfreuter war ich, als ich herausfand, dass die dahinter steckende Band Oktobernatt eine Independent-Band aus Berlin ist.

Die sechs Musikerinnen und Musiker Gabriel Jansson Svedberg (Gesang), Vignir Vidarsson (Bass), Alban König (Gitarre), Ole von Garrel (Drums), Myra Amneskog (Keyboard) und Joona Keturi (Gitarre) aus Island, Schweden, Finnland und Deutschland fanden sich im Jahr 2024 zusammen und haben „Coordinates°“ im Berliner Trixx Studio aufgenommen (unter anderen Can, Dave Gahan, Nina Hagen).

Eigene Welt
Darauf fünf packende Tracks mit traumähnlichen Klanglandschaften und einer so sehnlichen Stimme, wie sie eigentlich nur die unverkennliche Portishead-Sängerin Beth Gibbons hat – jedoch in einer raueren Version. Durch wunderschöne Vokalisierungen, verzerrte Gitarren und melodisches Bass-Spiel erschaffen Oktobernatt in ihren Songs ein Ambiente, das die Zuhörenden für die – zumeist recht lange – Laufzeit der Tracks in eine eigene Welt hineinzerrt.

Die Berliner Six-Piece-Band selbst bezeichnet ihre Musik als Dreamrock, wohl als schroffere Schwester des Dreampop. Dazu kommt, dass Oktobernatt Musikvideos lieben und geradezu leben, wodurch die mitreißende Cinematographie der Songs die EP fast schon zu einem multimedialen Projekt werden lässt.

Starkes Songwriting
Der Intro-Track „Vonin“ startet mit einem akustischen Gitarren-Arpeggio, bevor er zum Ende hin immer explosiver wird – nur um kurz davor doch nicht zu zünden. Und genau das ist eines der Markenzeichen der Band: Der Aufbau von Spannung, einem Klimax, bevor es dann doch noch zu einer musikalischen Wendung kommt.

Auch die übrigen Lieder verfolgen größtenteils dieses Schema – mit Ausnahme der Indie-Folk Ballade „Sweet One“, die die Stärke von Oktobernatt im Songwriting unterstreicht und einem kurz etwas Zeit zum Durchatmen gibt, bevor man in das oben erwähnte „Rasa“ mitgenommen wird. Der Closer „(65.3968°N 20.9094°W)“ setzt einen würdigen Schlussstrich unter „Coordinates°“ – und danach will man sogleich wieder von vorne mit dieser fesselnden EP beginnen.

Liebenswürdigerweise hat mir Oktobernatt-Gitarrist Joona auch noch ein paar Fragen rund um die Band und den EP-Release beantwortet – there you go:

Danke für Deine Zeit, Joona – inwieweit hat Euch als Band die Berliner Kunst- und Musikszene geformt?

Hi Matti. Berlin ist ein Melting Pot für viele verschiedenste Formen an Kunst- und Musikrichtungen. So ziemlich jeden Abend gibt es ein Underground-Konzert zum günstigen Eintrittspreis. Mit anderen aufstrebenden Künstlerinnen und Künstlern in diesem spannenden Umfeld zu spielen, war eine großartige Erfahrung.

Was genau macht Deiner Meinung nach Euren sehr uniquen Sound aus?

Ich denke, jedes Bandmitglied prägt Oktobernatt auf seine einzigartige Weise. Mittlerweile haben wir unseren Signature-Bass-Sound gefunden, gepaart mit atmosphärischen Gitarrenmelodien, kreativen Synthklängen und einem kraftvollem Gesang. Jeder von uns hat zudem seine eigenen künstlerischen Einflüsse und seine eigene Art, zu spielen – all das läuft in unserem Sound zusammen.

Ihr stammt aus verschiedenen Ländern und Kulturen – welche Rolle spielt dieser persönliche Hintergrund für Euch als Band beziehungsweise Eure Musik?

Natürlich ziehen wir auch daraus nochmal unterschiedlichste Inspiration sowie künstlerische Ansätze – in Summe erweitert all dies unsere Ausdrucksmöglichkeiten und erlaubt es uns, nischige Musik unserer verschiedenen Kulturen untereinander zu teilen.

Das Ergebnis hören wir auf Eurer starken Debüt-EP „Coordinates°“ – in welchen Formaten wird sie erhältlich sein?

Wir bringen sie vornehmlich digital heraus, aber es wird auch eine limitierte Auflage an CDs und eventuell sogar Musik-Kassetten bei unseren Shows zu kaufen geben.

Das bedeutet, es sind schon Release-Gigs oder eine kleine Tournee geplant?

Ja, wir spielen eine Release-Show in Berlin Anfang April und ein paar weitere Auftritte sind bereits für Anfang Sommer des Jahres in Planung. Unser größtes Projekt als Band hingegen kommt erst zum Sommerende – mehr darf ich aber leider noch nicht verraten.

Dann haltet uns doch gern auf dem Laufenden, lieber Joona – und danke fürs nette Gespräch.

Hat mich gefreut, Matti!

Tracklist Coordinates°
Vonin
The List
Sweet One
Rasa
(65.3968°N 20.9094°W)

Text & Interview: Matti David Klein

Artist: Oktobernatt
Album: Coordinates°
VÖ: 27.03.2026
Label: Oktobernatt Records